Reiselust bei den einen, Öko-Frust bei den anderen

Vom Camper bis zum Pauschaltouristen hat ein Umdenken eingesetzt – aber was muss ich wirklich beachten, wenn ich sauber und umweltschonend reisen will?

Fernreisen, Interkontinentalflüge und Luxuskreuzfahrten gelten wegen der damit verbundenen Emissionen heute als klimaschädlich. Doch gleichzeitig garantiert der Tourismus als einer der international führenden Wirtschaftsbereiche an vielen Destinationen Wachstum und Wohlstand. Insbesondere für Entwicklungs- und Schwellenländer stellen Reisende eine wichtige ökonomische Ressource dar. Nachhaltig orientiertes Reisen bietet ein enormes Potenzial, mit dem die Branche sich aus dieser Zwickmühle befreien könnte. Im vergangenen Jahr haben weltweit mehr als eine Milliarde Menschen eine Urlaubsreise ins Ausland unternommen. Gute Einkommen und zunehmende Freizeitorientierung in den Industrieländern lassen die Fremdenverkehrszahlen weiter anwachsen. Bis 2030 – so schätzt die Welttourismusorganisation der Vereinten Nationen – wird die Zahl der Touristenankünfte global auf 1,8 Milliarden steigen.

Wandern im Harz ist aus Umweltsicht besser als Trecking im Himalaya

Parallel nimmt die Gefahr zu, dass sich auch Energieverbrauch und CO2-Ausstoß, Müllaufkommen und die Zerstörung der Natur erhöhen. Wandern im Harz wäre für norddeutsche Urlauber eine saubere Alternative zum Trekking im Himalaya und Camping an der Ostsee kein Fluch für die Karibik.

2013 hat das Kreuzfahrtunternehmen Aida Cruises ein Investitionsprogramm über 100 Millionen Euro verabschiedet. Kernstück ist die Installation eines Systems zur Abgasnachbehandlung auf den Schiffsneubauten sowie die Nachrüstung der bestehenden Flotte. Dank dieser innovativen Technologie sollen die Emissionen von Rußpartikeln, Stick- und Schwefeloxiden um 90 bis 99 Prozent reduziert sowie Kohlenmonoxid und unverbrannte Kohlenwasserstoffe gefiltert werden. Schon heute hat Aida Cruises alle Schiffe, die ab 2007 in Dienst gestellt wurden, für Landstrom vorbereitet. Die „Aidasol“ wurde im Juli 2013 als erstes Schiff der Flotte komplett für Landstrom ausgestattet. Dort, wo die Infrastruktur vorhanden ist, kann das Schiff ab sofort umweltfreundlich über Landstrom mit Energie versorgt werden.

Bis 2050 wollen auch die Airlines ihre Emissionen halbieren. Um dieses ambitionierte Ziel für den Luftverkehr zu erreichen, entwickeln Wissenschaftler und Ingenieure bei Airbus neue gewichtsreduzierende Konstruktionsweisen und Werkstoffe. Alternative Treibstoffe könnten in Zukunft sogar aus Algen gewonnen werden und die Körperwärme der Passagiere zur Energiegewinnung an Bord beitragen.

Am Hamburg Airport zählt der Umweltschutz seit 25 Jahren zum Programm. Der Einsatz energieeffizienter Gebäudetechnik und die emissionsarme Fahrzeugflotte zur Bodenabfertigung sind ebenso Teil der Flughafeninfrastruktur wie Schallschutzprogramme, Regenwassernutzung in den Terminals und die zukunftsorientierte Beteiligung an Forschungs- und Entwicklungsprojekten. „Hier am Standort binden wir alle Beteiligten der Luftfahrt in den Umweltschutz mit ein“, betont Axel Schmidt, Leiter des Zentralbereichs Umwelt am Hamburg Airport. „Wir haben es geschafft, alle Belange des Umweltschutzes in einem Fachbereich zu konzentrieren – und erzielen damit deutlich mehr Wirkung.“

Mit dem Reise- und Outdoor-Ausrüster Globetrotter ist in Hamburg ein Unternehmen angesiedelt, das seinen Kunden nicht nur eine breite Produktpalette für Aktivurlaube in der Natur anbietet, sondern auch den Umweltschutzgedanken fest in der Firmenphilosophie verankert hat: mit der Minimierung des ökologischen Unternehmens-Fußabdrucks, dem klimaneutralen Paketversand dank Wiederaufforstung, der Sensibilisierung von Jung und Alt für Klimaschutz. Doch auch hier weiß man: Die Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung sind nie abgeschlossen. Wir stehen vor neuen Herausforderungen und müssen uns weiterhin ehrgeizige Ziele setzen.

Zu den erklärten Outdoor-Fans gehören auch die Camper. Und die machen einen nicht unerheblichen Teil aller Reisenden aus: Einer aktuellen Statistik zufolge wurden auf den mehr als 2800 Campingplätzen in Deutschland stattliche 26 Millionen Übernachtungen gezählt. Der Verein Ecocamping e.V. hat sich das Ziel gesteckt, den Campingtourismus in Europa noch nachhaltiger zu gestalten. Dazu werden Campingbetriebe unter die Lupe genommen, Energie- und Wasserverbrauch sowie Abfallmengen erfasst, Optimierungsmaßnahmen geplant und Mitarbeiter qualifiziert. Campingplätze, die sich um eine Verbesserung ihrer Ökobilanz bemühen, werden dafür mit einer Plakette belohnt. Urlauber finden in Deutschland inzwischen 235 Eco-Campingplätze zwischen Fehmarn und Berchtesgaden; weitere gibt es in Österreich, Italien, Kroatien, Slowenien und der Schweiz.

Ihre Anfahrt zum Urlaubsort mit Pkw oder Wohnmobil und den damit verbundenen CO2-Ausstoß können Reisende bei der jungen Hamburger Gründung Arktik kompensieren: Das Unternehmen bietet Autofahrern eine Klima-Vignette, deren Preis sich individuell anhand der jährlichen Fahrleistung und des Durchschnittsverbrauchs berechnet. Mit den Einnahmen werden Klimaschutzprojekte gefördert und so die jeweiligen Fahrzeug-Emissionen rechnerisch neutralisiert.

Freizeitziele zwischen Alstertal, Elbufer und Sachsenwald sind allerdings auch mit der HamburgerS-Bahn zu erreichen. Auf diese Art wird das Reisen erst so richtig klimafreundlich! Die S-Bahn Hamburg ist nämlich das erste Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland, das ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien für den Betrieb seiner Fahrzeuge einsetzt und damit CO2-Emissionen vollständig vermeidet.