Alltag und Familie

Autofahren? Das ist mir viel zu stressig!

Benjamin ist 17 Jahre alt und könnte mit dem Führerschein starten, fährt aber lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Auto als Statussymbol ist seiner Meinung nach völlig überbewertet.

Neulich saß ich mit meinem Vater im Auto. Er am Steuer, ich auf dem Beifahrersitz. Wir fuhren zum sechsten Mal um den Block, um einem Parkplatz in der Hamburger Innenstadt zu finden. Vom Suchen deutlich gestresst, aber mit strahlenden Augen sagte mein Vater plötzlich zu mir: ,,Junge, du bist jetzt 17 Jahre alt und darfst endlich Auto fahren. Wie habe ich in deinem Alter diesen Tag ersehnt.“

Autofahren! Was ist das für ein abwegiger Gedanke? Hatte mein Vater vergessen, dass wir eben weit mehr als eine halbe Stunde auf der Stresemannstraße unterwegs waren? Oder besser gesagt: dort gestanden hatten? In einer Schlange von nahezu unzähligen Autos. In dieser Zeit waren mindestens zwölf S-Bahnen an uns vorbeigerauscht.

Das Auto als Statussymbol ist völlig überbewertet. Klar, liebe auch ich einen schönen Lamborghini. Aber wie hoch sind die Chancen, dass ich einen besitze? Ich habe selten einen 17-Jährigen in seinem neuen Gallardo auf dem Ballindamm cruisen sehen. Und wenn ich mir vorstelle, beim ersten Rückwärtsfahren einen Pfeiler zu übersehen, das wäre doch richtig blöd. Also, würde ich meinen Wagen in der Garage lassen und mit Bus und Bahn fahren.

Überdies sehe ich mich bei meinem aktuellen Budget eher in einem alten, verbeulten Daihatsu. Und wer will schon einen alten, verbeulten Daihatsu? Da fahre ich doch lieber mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Ein Auto? Heute wollen Jugendliche lieber das neuste Smartphone anstelle eines ersten Wagens haben.

In der Werbung verspricht die Automobilindustrie, dass sie das Internet ins Auto bringen wollen. Ich will kein Web in meinem Auto, ich will vielmehr mein Auto im Netz. Wie cool wäre es, wenn mein Gefährt twittern würde oder mir auf Facebook erklärt, wie es dem rechten Hinterreifen geht?

Überhaupt: Das Automobil hinkt schlichtweg hinterher. Früher war es sicher prima, seine Musik in schlechter Autoradioqualität einem regensicheren Raum fernab der Eltern hören zu können. Heute erlauben mir mein iPod und die dazugehörigen Noise-Cancelling-Kopfhörer, dass ich in einem Düsenjet jeden Song der Welt in bester Qualität hören kann.

Zugegeben, das Erlebnis vom Musikhören unter Kopfhörern hat ein selektives Hören zur Folge. Aber mal ehrlich: Das hat insbesondere in der direkten Umgebung von Eltern enorme Vorteile.

Nein, natürlich bin ich kein grundsätzlicher Gegner vom Autofahren, aber ich muss kein Auto besitzen. Wenn überhaupt, will ich es nutzen, wann ich es will, und ich will es abstellen können, wo ich will und jederzeit und überall finden, wo ich es brauche und es darf natürlich nicht viel kosten. Und dann wäre da noch die Umwelt. Zu Fuß gehen ist doch viel besser für die Natur. Und gesünder ist es auch.

Mein Vater und ich – wir sind übrigens nach unserer Tour noch weit zu Fuß gegangen, denn wir mussten mangels Parkplätzen in der Nähe unserer Wohnung am Berliner Tor parken und hatten nach dem Abstellen des Autos noch einen langen Fußmarsch vor uns.