Michael Philipp erklärt den „Triumphzug des Bacchus“

Von allen antiken Gottheiten spielt Dionysos, bei den Römern Bacchus genannt, in der Kunst der Neuzeit die wichtigste Rolle: Als Gott des Weins, der Sorgen löst und von Zwängen befreit, verkörpert er die fröhliche Diesseitigkeit. Mit seinem monumentalen „Triumphzug des Bacchus“ schuf Moyses van Uyttenbroeck 1627 ein Sinnbild überschwänglicher Lebensfreude, das die Wünsche und Idealvorstellungen seiner Zeit ausdrückt. Dazu verwendete der niederländische Maler Motive aus der überlieferten Bildwelt des Dionysos, die sich seinen Anhängern in dieser Zeit ähnlich wie ein Zeichencode erschlossen: Wein und Trauben, tanzende Satyrn und Mänaden, das Weinlaub im Haar und Musikinstrumente wie Zimbeln und Tamburin.

Der jugendlich-schöne Gott schaut von seinem Pantherwagen, erhöht wie auf einem Thron, unbewegt und etwas gönnerhaft auf das ausgelassene Treiben zu seinen Füßen. Aus der Tiefe der anmutigen Landschaft schiebt sich das Gedränge des tanzenden und musizierenden Gefolges dem Betrachter entgegen. Das Personal dieses bacchanalischen Zuges ist keineswegs idealisiert und nicht ohne spöttische Übertreibung geschildert. Auch die Folgen des Alkohols werden nicht ausgespart, ein Zecher liegt am Boden, aber die beiden Eroten, die mit Kranz, Trauben und Weinpokal über der Szenerie schweben, setzen einen begütigenden Akzent. Mit seiner farbenfreudigen Stimmung und der barocken Lebensfreude ist das Gemälde eine Huldigung an Dionysos, die den Betrachter zum Mitfeiern einlädt.

Dionysos. Rausch und Ekstase bis 12.1.2014; Bucerius Kunst Forum www.buceriuskunstforum.de täglich 11.00–19.00, donnerstags bis 21.00 Uhr geöffnet

Zur Person: Michael Philipp, Jahrgang 1962, ist seit 2007 Kurator des Bucerius Kunst Forums, wo er mit „Schrecken und Lust. Die Versuchung des heiligen Antonius von Hieronymus Bosch bis Max Ernst“ bereits 2008 eine epochenübergreifende Ausstellung kuratierte.