Haarnetze in der Kaserne und Badetag im Pinneberger Knast

Schlagzeilen aus der Pinneberger Zeitung in ihrem Gründungsjahr 1971. Damals wollte der Kreis sogar seine Grenzen erweitern

Kreis Pinneberg. Das klang fast ein wenig nach Revolution, war aber durchaus ernst gemeint. „Kreis Pinneberg möchte die Grenzen ändern“, titelte die Pinneberger Zeitung am 26. Mai in ihrem Gründungsjahr 1971. Immerhin war es kein Geringer als Landrat Dr. Udo Sachse, der es im Gespräch mit der neuen Zeitung im bevölkerungsreichsten Landkreis Schleswig-Holsteins als „Gebot der Vernunft“ ansah, die Grenzen des Kreises im Norden und Osten „zu arrondieren“.

Konkret meinte der damalige Landrat die „Splittersiedlung Horst-Hahnekamp“ vor den Toren Elmshorns und die Gemeinde Ellerau, direkt an der Grenze zu Quickborn. Grund für die Begehrlichkeiten war im Falle der Gemeinde Horst, dass sich dort mehrere Industriebetriebe angesiedelt hatten, die allerdings die Vorteile des sogenannten Achsenendpunktes Elmshorn im hamburgischen Ballungsraum nutzten und obendrein noch von den günstigeren Steuerhebesätzen der Landgemeinde profitierten.

Sowohl der Landrat als auch die Stadt Elmshorn wollten dies nicht hinnehmen und forderten: „Wirtschaftsgrenzen sollten in diesem Bereich auch Verwaltungsgrenzen sein“. Der naheliegenden „Grenzkorrektur“ im Falle Elleraus wurden allerdings wenig Chancen eingeräumt. Ellerau gehörte zum Kreis Segeberg und genoss damals die lukrative Zonenrandförderung.

Wie sich herausstellte, wurde es letztlich nichts mit der Gebietserweiterung. Nur ein geschichtliches Intermezzo war auch der sogenannte Haarnetzerlass der Bundeswehr. Der trat im Februar 1971 in Kraft und schrieb Soldaten mit längerem Haar das Tragen eines olivfarbenen Haarnetzes vor. Allerdings hatte der Erlass nur ein Jahr Bestand, wozu unter anderem Häme und Spott aus dem Ausland wie „German Hair Force“ anstelle von „German Air Force“ beitrug. In der Pinneberger Eggerstedt-Kaserne wurden in dem Jahr jedenfalls Tausende von Rekruten mit dem Haarnetz ausgerüstet. Außerhalb des Dienstes wurde es abgenommen, sodass die Rekruten mit wallendem Haupthaar in Diskos wie der Pinneberger Carina oder im Uetersener Café von Stamm abtanzen konnten.

Kurios auch die Geschichte vom Pinneberger Knast, die am 24. März 1971 erschien. Denn die Kreisstadt war Sitz eines Gefängnisses, das direkt hinter dem Amtsgericht an der Bahnhofstraße lag. 20 Plätze waren vorhanden, doch manchmal saßen sogar 23 bis 25 Straf- und Untersuchungshäftlinge ein.

Der Tagesablauf war monoton. Wecken um 6.30 Uhr, um 7 Uhr wurde das Frühstück in der Zelle serviert. Von 8 bis 9 Uhr dann die Freistunde mit Spaziergang im Gefängnishof. Dann begann die Arbeit: Jeweils zu dritt mussten die Gefangenen Müll- und Kleiderbeutel sowie Babyhöschen verpacken. Pro Tag gab es einen Lohn von einer Mark, was gerade für die tägliche Zigarettenration reichte.

Nach dem Mittag ging es wieder an Müllbeutel und Babyhöschen, um 17 Uhr dann war Feierabend. Abendbrot folgte um 17.15 Uhr, um 18 Uhr wurden die Männer wieder eingeschlossen. Bis 21.30 Uhr spielte noch das Radio, dann wurde geschlafen. Einzige Abwechslung in diesem Rhythmus war der Freitag – der Badetag. Die Gefangenen durften in die Wanne oder unter eine der fünf Duschen.