Anerkannte Minderheit in Deutschland

Wieso? Weshalb? Warum? Fragen und Antworten rund um die Fakten und Hintergründe zu den Sinti und Roma

Woher kommt die Bezeichnung Sinti und Roma und was bedeutet sie?

"Sinti" und "Roma" sind Selbstbezeichnungen der Bevölkerungsgruppen, die früher abwertend "Zigeuner" genannt wurden. Dabei ist "Roma" der umfassendere Begriff: Er stammt aus der (mit dem indischen Sanskrit verwandten) Sprache "Romani" (oder "Romanes") und bedeutet ursprünglich "Menschen". Daher bezeichnet er über alle Teilgruppen hinweg die Angehörigen der Gesamtbevölkerung der "Roma". Das sind in Europa derzeit insgesamt etwa zehn Millionen Menschen. "Sinti" ist dagegen der zusammenfassende Name für die mittel- und westeuropäischen Roma; gelegentlich wird er auch auf die deutschsprachigen Roma beschränkt.

Woher kommen die Gruppen?

Da die Sprache der Roma bis ins 20. Jahrhundert nicht schriftlich war, gibt es keine authentischen Dokumente aus früheren Zeiten. Allgemein wird angenommen, dass die Vorfahren der heutigen Roma ursprünglich aus Indien stammen und in mehreren Migrationsbewegungen im frühen Mittelalter (zwischen etwa 500 und 1000 n. Chr.) nach Mittel- und Westeuropa kamen.

Verfolgung der Sinti und Roma

Sinti und Roma wurden jahrhundertelang gesellschaftlich ausgegrenzt. Die lange Geschichte der Diskriminierung und Verfolgung hatte ihren verhängnisvollen Höhepunkt im Völkermord an den europäischen Roma in der Zeit des Nationalsozialismus. Das Romani-Wort dafür lautet Porajmos (deutsch: "das Verschlingen"). Es brauchte Jahrzehnte und energische Proteste der Sinti und Roma, bis sie als Opfer der NS-Vernichtungspolitik anerkannt wurden. Das Berliner Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma ist im Oktober 2012 eingeweiht worden.

Sinti und Roma in Deutschland

Seit 1997 sind deutschstämmige Sinti und Roma als nationale Minderheit in Deutschland anerkannt. Sie haben damit den gleichen Status wie etwa Friesen oder Sorben und können eine eigene Kultur- und Sprachförderung beantragen. Außerdem steht ihnen eine eigene Politikvertretung zu, die auch finanziell unterstützt wird.

Ein klares Bekenntnis kommt aus Schleswig-Holstein: Im vergangenen Jahr wurde der Schutz von Sinti und Roma in die Landesverfassung aufgenommen.

Wie ist die aktuelle Situation?

Bei der gegenwärtigen Diskussion um die "Armutszuwanderung" muss man differenzieren: Die angeblich alarmierenden Zahlen des Statistischen Bundesamtes über den Anstieg der Zuwanderung aus Rumänien und Bulgarien, die vielfach mit der Immigration von Roma gleichgesetzt wird, unterschlagen zum Beispiel die Saisonarbeiter, die zurück in ihre Länder gehen.

Problematisch ist außerdem die Zusammenfassung als "Armutszuwanderung", weil - gerade aus Bulgarien - zahlreiche Studierende nach Deutschland gekommen sind. Die Zuwanderungszahlen geben keinen Aufschluss darüber, wie viele darunter Roma sind, weil bei der statistischen Erfassung in Deutschland aus historischen Gründen nicht nach Ethnien unterschieden wird.

(mrö)