"Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht"

"Du bist in Deutschland. Warum interessierst du dich so sehr für den Nah-Ost-Konflikt? Du hast es hier doch gut", sagte einmal ein Freund zu mir.

Obwohl es meines Erachtens eine banale Frage war, wusste ich dennoch keine Antwort. Dann erinnerte ich mich an eine Demo, an der ich teilgenommen hatte. Ich bekam allein aufgrund des Gedankens daran Gänsehaut. Dieses Gefühl, wenn du deine Meinung lautstark und ohne Angst äußern kannst und du genau weißt, du stehst mit deiner Meinung nicht alleine, ist unersetzbar. Ein Mensch sollte das Recht haben, sich seine eigene Meinung bilden und sie äußern zu können, ohne Angst vor Folter oder Tod.

Von dieser Selbstverständlichkeit, mit der wir in Deutschland leben, können einige nur träumen. Stellen Sie sich vor, Sie wären in Syrien und würden all das Leid miterleben und die ganze Welt schaute nur zu, während es ihr gut ginge. Welches Gefühl würden Sie dabei haben? Nur, weil ich in Deutschland lebe, heißt es nicht, dass ich nicht für meine Mitmenschen verantwortlich bin, egal ob sie auf der anderen Straßenseite oder auf einem anderen Kontinent leben. Jeder hat das Recht auf Bildung und Freiheit und ich als Mitmensch habe die Pflicht drauf Acht zu geben, dass dieses Recht verwirklicht wird. Für alle Menschen, ganz gleich ob schwarz oder weiß, jüdisch oder muslimisch. Und wie Berthold Brecht so schön sagte: "Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht." Wer schweigt, macht sich schuldig, das vergessen leider die meisten. Und aus diesem Grunde dürfen wir nicht wegschauen. Frieden kann es nur geben, wenn man aufeinander zugeht und Verständnis füreinander hat. Man muss auf die Probleme eingehen, um eine Lösung zu finden. Wegschauen ist der falsche Weg.