Diese Frau liebt auch ohne Drogen

Gaetano Donizettis Komödie "L'Elisir d'Amore" steht wieder auf dem Spielplan

Manche Arien machen ganz allein Weltkarriere. Wer von Millionen Fans wüsste schon zu sagen, aus welcher Oper "Una furtiva lagrima" stammt, die Tenorlegenden wie Luciano Pavarotti und Rolando Villazón in die ganz großen Arenen getragen haben? Dabei ist die Oper "L'Elisir d'Amore" von Gaetano Donizetti selbst ein Evergreen des Repertoires. Im Juni nimmt die Hamburgische Staatsoper Jean-Pierre Ponnelles Lesart der Komödie wieder in den Spielplan. Die musikalische Leitung übernimmt Ivan Repusic. In der Rolle der Adina ist die junge russische Koloratursopranistin Olga Peretyatko zu erleben, ihren ergebenen Verehrer Nemorino singt Lawrence Brownlee.

So süffig sich Donizettis Belcanto-Melodien wegschlürfen, so entschieden hält der Komponist die Fäden in der Hand. Nicht zufällig liest die reiche, gebildete Adina den Dorfleuten ausgerechnet die Legende von Tristan und Isolde vor: Hier wie dort soll ein Zaubertrank amouröse Wirkung entfalten. Mit dem geistreichen Unterschied, dass es bei Donizetti eben keiner ist. Schlichten Rotwein dreht der Quacksalber Dulcamara dem liebeskranken Nemorino an, und die 24 Stunden, die der Liebestrank angeblich braucht, um seine Wirkung zu entfalten, sollen ihm nur einen Fluchtvorsprung verschaffen.

Durch seinen Verzicht auf Tricks macht Donizetti erst eine psychologisch begründete Entwicklung möglich. Gerade dass Adina nicht verzaubert wird, sondern Nemorinos Qualitäten klaren Sinnes erkennt, beglaubigt ihre Wandlung zur Liebenden.

"Una furtiva lagrima" zeigt Donizettis Arbeitsweise. Er wollte beides, das Innige und das Komische. Deshalb intoniert das Thema ein Fagott in unbequem hoher Lage, dessen leicht gequetschter Klang auf das larmoyante Pathos Nemorinos hindeutet. Dass die schlichte Story nicht im Kitsch versinkt, ist eine Meisterleistung.

"L'Elisir d'Amore" 21. und 30.5., 1. und 6.6., jeweils 19.30, Staatsoper. Karten zu 4, - bis 97,- unter T. 35 68 68