"Bessere Orientierung durch spezielle Brillen"

In einer neuen Telefonsprechstunde geben zwei Beraterinnen Informationen zum Thema und bieten Sozialberatung für Betroffene

Seit Anfang des Jahres bietet der Blinden- und Sehbehindertenverein eine eigene Telefonsprechstunde für Menschen mit altersabhängiger Makula-Degeneration (AMD) an. Christin Becker ist eine der beiden zuständigen Beraterinnen.

Hamburger Abendblatt:

An wen richtet sich Ihre Telefonsprechstunde?

Christin Becker:

Das Angebot ist für Patienten und Angehörige gedacht. Es gibt sehr viele Menschen, bei denen eine AMD festgestellt wird, und die Angst davor haben, zu erblinden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele sich zunächst nicht trauen, in unsere Räumlichkeiten zu kommen. Es gibt Berührungsängste mit dem Thema Sehbehinderung, und viele haben erst einmal Schwierigkeiten, mit der Diagnose klarzukommen.

Wie viele Menschen mit Sehbehinderung gibt es in Hamburg, und wie viele davon haben eine AMD?

Becker:

Man geht von rund 40.000 sehbehinderten Menschen in Hamburg aus, die Zahlen sind allerdings schon etwas älter. Exakte Zahlen über die Häufigkeit von AMD liegen uns nicht vor.

Mit welchen Fragen melden sich die Betroffenen bei Ihnen?

Becker:

Das ist eine große Bandbreite. Menschen mit einer frischen Diagnose fragen oft nach Therapiemöglichkeiten und Augenärzten. Sie möchten wissen, welche Rolle die Ernährung bei der Erkrankung spielt und was sie tun können, um ihr Sehvermögen zu erhalten.

Wie gehen Sie dann vor?

Becker:

Wir können keine Augenärzte empfehlen, leisten aber Hilfestellung, einen Arzt oder eine Klinik zu finden, die möglichst nahe am Wohnort des Patienten ist. Viele Betroffene fragen auch nach alternativen Methoden zur Schulmedizin. Dann ist eine Antwort schwierig, weil es da viel Hoffnung bei den Patienten gibt. Mir ist bislang kein Fall bekannt, bei dem solche Methoden bei einer AMD zu einer Heilung geführt haben, zum Beispiel durch Akupunktur.

Welche Angebote können Sie machen?

Becker:

Für uns arbeitet eine Orthoptistin, die mit den Patienten die verschiedensten Sehhilfen erproben kann. Sie können hier Lupen, Bildschirmlesegeräte oder eine Art Sonnenbrille ausprobieren, die bestimmte Lichtanteile herausfiltert. Dadurch sind ein kontrastreicheres Sehen und eine bessere Orientierung möglich. In der Sozialberatung geht es oft um Fragen nach der Pflegeversicherung, ob Ansprüche auf Blindengeld bestehen oder wie der Wohnraum verändert werden kann.