Altonaer Museum

Von Naturgewalten und Gefahren

Lesedauer: 3 Minuten
Annette Stiekele

Wiedereröffnung mit "Der Tod und das Meer"

Aus dem Meer kommt alles Leben, und ins Meer kehrt es irgendwann zurück. Die Ozeane liefern den Menschen seit Jahrtausenden die Grundlagen für Nahrung und Handel. Doch sie bergen auch Gefahren. Man braucht nicht an legendäre Schiffskatastrophen wie den Untergang der "Titanic" 1912 zu denken, um zu wissen, dass die Seefahrt seit ihrem Bestehen mit dem Schiffbruch konfrontiert ist. Seefahrer gehen mit jeder Fahrt ein Risiko ein.

Die um das Meer kreisenden Todesmythen finden auch ihren Niederschlag in der bildenden Kunst und der Literatur. Wenn das Altonaer Museum am 1. Mai nach vier Monaten Renovierung feierlich wieder eröffnet, haben die Besucher Gelegenheit, eine außergewöhnliche Schau zu sehen: "Der Tod und das Meer". Aus kunsthistorischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive beleuchtet die Schau, wie Kunst und Kultur die Menschen in diesen "extremen Lebensräumen" reflektierten und Erfahrungen von Abenteuer, Unglück, Tod und Rettung verarbeiteten.

Das fängt an beim Schiff als Symbol des Lebensweges, bei biblischen Allegorien wie "Jona und der Wal". In den christlichen Darstellungen bildet das Leben das Ruder, Geduld und Liebe sind das Segel, das Wort Gottes liefert den Kompass. Der Mensch begegnet der Sünde in Gestalt von Seeungeheuern. Bei falscher Lebensführung läuft er Gefahr, "Schiffbruch" zu erleiden.

Die Ausstellung präsentiert vor allem Gemälde aus dem 19. Jahrhundert. Die Maler der Romantik entdeckten das Motiv des Schiffbruchs und verwandelten die eher landschaftlichen Ereignisbilder des 17. Jahrhunderts in emotionale Katastrophenbilder. Sie führen den Betrachter dicht an das Geschehen heran. Der Schiffbruch etwa der "Gottfried", die 1822 an der Elbmündung sank. wird zum Symbol für die Ohnmacht des Menschen gegen die Natur. Caspar David Friedrich malte "Das Eismeer" (1824) und Joseph Mallord William Turner das "Unglück auf See" (Teil des Kataloges, nicht der Ausstellung).

Seit Hans Holbein d. J. in seinen "Bildern des Todes" 1538 den "Schiffmann" erstmals in einen Totentanz-Zyklus gezeigt hat, fand der personifizierte Tod, der an Bord kommt, Eingang in die Kunst. Beispiel für die Gefahr der Grenzüberschreitung um eines vermeintlich besseren Lebens willen.

Das Leben am Meer ist auch geprägt von der ständigen Abwesenheit der Seeleute und dem Warten der Frauen auf ihre Rückkehr. Ergänzt werden die Darstellungen durch Realien wie eine Totenkrone, Kleider und eine Sargtrage. Eine Antwort auf die Katastrophen: Zum Schiffbruch gehört natürlich auch die Rettung, für die es zum Glück seit 1865 in Kiel die Deutsche Gesellschaft zu Rettung Schiffbrüchiger gibt.

"Der Tod und das Meer" 1.5.2013 bis 26.1.2014, Altonaer Museum, Museumstraße 23, Di-So 10.00-17.00