Der süße Schmerz

Marcus Stäbler

Das Orchester des Hamburger Konservatoriums spielt ein Programm rund um John Dowland

John Dowland war ein Meister der Melancholie. Mit seinen schlichten Melodien rührte der Renaissancekomponist die Hörer zu Tränen und traf damit den Geschmack seiner Zeit. Denn im elisabethanischen England des 16. Jahrhunderts gehörte die Wehmut zum Lebensgefühl dazu. Und Dowland, der "britische Orpheus", goss sie in Töne.

Neben dem vergrübelten Prinzen Hamlet aus Shakespeares gleichnamigem Drama wurde der Komponist zu einer Art Symbolfigur der Mode. Dazu hat er selber fleißig beigetragen. "Semper Dowland, semper dolens", "Immer Dowland, immer betrübt", überschrieb etwa er eine Pavane aus seinen 1604 veröffentlichten "Lachrymae." Dieser "Tränen"-Zyklus steht im Zentrum eines ungewöhnlichen Passions-Programms, mit dem das Hamburger Konservatorium im Februar das Thema "Liebesleid" umkreist.

Zwischen den sieben Teilen des Zyklus erklingen Werke von Komponisten aus späteren Epochen, gespielt vom Orchester unter Leitung von Thomas Mittelberger und gesungen von Studierenden des Konservatoriums - darunter Musik von Pergolesi, Bach, Berlioz und Dvorák. Über alle Stilgrenzen hinweg sind diese Stücke durch ihren starken emotionalen Ausdruck vereint.

Nach der eher traurig-tränenreichen ersten Hälfte wechselt das Programm die Tonlage: Im zweiten Teil steht Franz Schuberts Sinfonie Nr. 5 in B-Dur auf dem Programm. Auch er war ja ein großer Melancholiker. Doch in dem frühen Werk, das er schon mit 19 Jahren schrieb, gibt sich der Wiener Wehmutsmeister noch ganz heiter und wandelt auf den Spuren Mozarts.

"Flow my Tears" 24.2., 18.00, Kulturkirche Altona. Tickets zu 11,- unter T. 45 03 50 60

Weiterer Veranstaltungstipp: Am 1.2. präsentieren Dozenten und Studierende des Hamburger Konservatoriums in der Kulturkirche Altona eine "Jazz-Night"