Die führenden Köpfe

Sie sind als Gastgeberin, Präsident und Organisatorin für das Großereignis tätig

Die Bischöfin

Ausgerechnet Hamburg. Mit diesem Satz wird Bischöfin Kirsten Fehrs, 51, jetzt häufiger konfrontiert. Ausgerechnet für den Hamburger Kirchentag gilt das sozialkritische Motto "Soviel du brauchst". Und das in einer Stadt, die mit ihren Bürgern weithin als reich, zunehmend aber als tief gespalten gilt.

Kirsten Fehrs, seit mehr als einem Jahr Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, weiß: Das Bibelwort aus dem Alten Testament entfaltet Sprengkraft im Hier und Heute. Die soziale Spaltung in der Hansestadt und in vielen anderen Teilen Deutschlands dürfte zu einem der wichtigsten Themen werden, davon ist die Bischöfin überzeugt. Sie gehört dem Präsidium des 34. Deutschen Evangelischen Kirchentages an und steht an der Spitze des Kulturbeirates.

Für die prominente evangelische Christin mit dem gewinnenden Lächeln ist es der erste große Praxistest bei einem Mega-Ereignis. Schließlich stellt die Bischöfin mit ihren beiden Sprengeln so etwas wie eine Gastgeberin des Christentreffens dar. Einladend solle sich deshalb die Metropolregion mit ihren Kirchen präsentieren. "Denn es werden von dem Treffen zahlreiche spirituelle, gesellschaftliche und politische Signale ausgehen", sagt Fehrs. Zum Beispiel in sozialen Fragen. "In Hamburg", fügt sie hinzu, "gibt es Kinder, die noch niemals an der Elbe waren." Das sei nicht länger hinzunehmen. "Wer finanzielle Kürzungen im sozialen Bereich vornimmt, muss auch die Konsequenzen bedenken."

Am liebsten würde Kirsten Fehrs alle Veranstaltungen besuchen, so interessant und inspirierend findet sie das Angebot. Vor allem wird sie sich auf ihre persönlichen Auftritte bei den Gottesdiensten konzentrieren, etwa bei der Eröffnung. Und die findet sogar in "Leichter Sprache" statt: Keine langen Sätze - stattdessen alles so, dass jeder die Worte und Lieder versteht.

Der Präsident

Er ist es gewohnt, vor einem größeren Auditorium zu sprechen. Wenn Verfassungsrechtler Professor Gerhard Robbers, 62, vor 300 Studierenden in einem Hörsaal der Universität Trier doziert, dann ist ihm ungeteilte Aufmerksamkeit sicher. Er redet eloquent, fesselnd, präzise und gern auch humorvoll.

Bei der Eröffnung des Kirchentages am ersten Mai wird er vor einem noch größeren Auditorium sprechen. Rund 100.000 Besucher werden dazu erwartet. Robbers ist Präsident des 34. DEKT und damit das prominente Gesicht des evangelischen Laientreffens in Hamburg. Seine Stimme hat im Protestantismus hohes Gewicht, denn er gilt als exzellenter Kenner des Kirchenrechts. Sein Buch "Staat und Kirche in der Europäischen Union" wurde inzwischen in acht europäische Sprachen übersetzt.

Als Verfassungsrechtler und Richter am Verfassungsgerichtshof Rheinland-Pfalz weiß er um die kaum zu überschätzende Bedeutung und Funktion des Grundgesetzes. "Die verfassungsrechtliche Werthaltung muss immer wieder neu in der Gesellschaft verbreitet werden", sagt er. Nicht zuletzt leisteten die Kirchentage dazu einen Beitrag. "Zur Botschaft in Hamburg gehört, dass wir umdenken müssen in dem, wie wir wirtschaften und Wirtschaft gestalten", fügt der Kirchentagspräsident hinzu. Denn ethisches und soziales Wirtschaften müssten heute anders definiert werden als früher.

Was freilich unverändert geblieben ist in all den Jahren sind die vielen Papphocker und die vielen Ehrenamtlichen. Die freiwilligen Helfer machen für Robbers die fröhliche, lockere und offene Atmosphäre erst möglich. "Ich bin den ehrenamtlichen von Herzen dankbar", sagt er. 50.000 Helfer werden das Treffen mitgestalten. Und die Papphocker als mobile und ökologische Sitzelemente? Professor Robbers: "Sie gehören zum Kirchentag. Ich möchte sie gar nicht missen."

Die Planerin

Das neue Jahr begann für Ellen Ueberschär mit einer Niederlage. Die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages kandidierte in Bad Neuenahr für das höchste Amt in der rheinischen Landeskirche - als einzige Bewerberin von außen. Sie konnte sich bei der Wahl um den Posten des Präses nicht durchsetzen, erzielte aber nach Ansicht von Beobachtern einen Achtungserfolg.

Der künftigen Karriere muss so etwas nicht schaden, zumal die promovierte Theologin und ehemalige Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Loccum hohes Ansehen im kirchentagsbewegten Protestantismus genießt. Seit dem Jahr 2006 arbeitet die 1967 geborene Ost-Berlinerin als Generalsekretärin in der Geschäftsstelle mit Sitz in Fulda. Immer wieder beweist sie dabei ihr hervorragendes Geschick in Management und Konzeptplanung. Den optimalen Termin für eine Großveranstaltung zu finden - das gehört für Ellen Ueberschär fast schon zur Routine.

Im Hinblick auf Hamburg, sagt sie, war der Hafengeburtstag zu beachten. Hier galt es, Termindoppelungen zu vermeiden. "Ein Pluspunkt für das gewählte Datum erster bis fünfter Mai waren die Hamburger Schulferien." Das mache es einfacher, die Schulgebäude als Gemeinschaftsquartiere zu nutzen.

Wenn es dann endlich so weit ist mit dem Termin, muss die Generalsekretärin praktisch auf allen Hochzeiten tanzen. "Kirchentag", sagte sie der Zeitschrift "Christ und Welt", "ist fünf Tage Ausnahmezustand." Nicht nur für die Organisatoren, sondern auch für die Teilnehmer, die zwischen 2000 Veranstaltungen auswählen können. Was Ellen Ueberschär besonders zu schätzen weiß, ist der friedliche Verlauf. Anders als im Fußball gibt es hier keine Randale. "Unsere Kultur des Miteinanders ist anders als die übliche Ellenbogengesellschaft."