"Den Menschen den Menschen erklären"

Wie die Fotografie in New York die Entwicklung der künstlerischen Moderne mitprägte

New York ist die Metropole der Fotografie. Als erstes Haus hat das New Yorker Museum of Modern Art 1940 ein Department of Photography eingerichtet. Noch bis 2. September zeichnet im Bucerius Kunst Forum die Schau "New York Photography 1890-1950. Von Stieglitz bis Man Ray" mit 170 Werken die Entwicklung des Mediums nach.

Sie offenbart anschaulich, wie junge Galeristen mit Pioniergeist die impressionistische Bildauffassung um 1890 bis hin zur Street Photography und zur fotografischen Abstraktion in den 1950er-Jahren fortschrieben. Entscheidenden Einfluss hatte dabei das Engagement der beiden Fotografen Alfred Stieglitz (1864-1946) und Edward Steichen (1879-1973). Stieglitz stellte 1905 in seiner Galerie erstmals Foto- neben europäischer Avantgardekunst aus. Steichen sagte einmal: "Die Aufgabe des Fotografen ist es, den Menschen den Menschen zu erklären und ihm zur Selbsterkenntnis zu verhelfen."

Fotografen wie Lewis Hine, Paul Strand und Berenice Abbott fingen erstmals die soziale Wirklichkeit mit der Kamera ein. Stieglitz selbst fotografierte in den frühen 1890er-Jahren in armen Gegenden Manhattans. Andere wie Julien Levy ließen sich von den surrealistischen Prinzipien Man Rays, Duchamps und Atgets inspirieren. Levy entdeckte auch Walker Evans, der mit seinem spröden, dokumentarischen Stil der einflussreichste Vertreter der amerikanischen Fotografie wurde. Außerdem Arthur Fellig, genannt Weegee, der mit seinen lebendigen Milieuschilderungen bekannt wurde. Die Straight Photography setzte sich durch und fand Widerhall im Leitmagazin für Fotoreportagen "Life". Ästhetik und soziale Realität waren von nun an auf einzigartige Weise verschränkt.

New York Photography 1890-1950. Von Stieglitz bis Man Ray bis 2.9., Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, täglich 11.00-19.00, Do 11.00-21.00

( (asti) )