Paten gesucht für die Stadtgeschichte

Engagierte Bürger können mit dem Projekt "Mein Stück Hamburg" das Museum unterstützen

Wenn es gilt, Menschen, Bäume oder Tiere auf den richtigen Pfad zu bringen, ist Patenschaft ein erprobter Weg. Längst gilt das auch für Kulturgüter. Auch die Museen entdecken den Reiz der Idee, engagierte Bürger mit der Verantwortung für historische Objekte zu betrauen. Am Museum für Hamburgische Geschichte sind die Depots gefüllt mit rund einer Million Objekte, die laufend konservatorischer Pflege bedürfen, doch die Mittel sind knapp.

Deshalb startet das Museum am 27. November ein Projekt für Patenschaften. Interessierte Bürger können zunächst die Restaurierung von Miniaturen, Hamburgensien und Daguerreotypien mit Beiträgen zwischen 100 und 2000 Euro unterstützen. "Das ist eine tolle Möglichkeit, der Identifikation mit der eigenen Stadt Ausdruck zu verleihen", sagt Kulturhistorikerin Silke Beiner-Büth, die das Projekt betreut.

Die Porträtminiaturen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert zeigen Bildnisse geliebter Menschen im Kleinstformat. Sie bieten möglichen Paten einen sehr persönlichen Zugang zum Dargestellten. Meist sind die Porträts mit Aquarellfarben auf dünne Elfenbeinplättchen, Pergament oder Papier gemalt. Die Bildnisse sind mit einem gewölbten Glas geschützt und kostbar gerahmt. In Form von Medaillons wurden sie auch als Schmuckstücke getragen.

Meist zeigen sie Brustbildnisse in zeitgenössischer Kleidung. Häufig ist die Rückseite verziert, gerne mit Haaren des Dargestellten. Bei 90 Prozent aller Miniaturen ist die Einrahmung schadhaft und gefährdet die Malerei. Insekten, Staub und vor allem Feuchtigkeit sind zwischen Malerei und Deckglas gedrungen und haben zu abblätternder Malschicht, Verschmutzungen und Tröpfchenbildung auf dem Glas geführt. Das feuchte Klima begünstigt Schimmelbildung und die Tröpfchen drohen auf die wasserlösliche Malerei zu fallen. "Wir müssen da vieles reinigen, neu fixieren, retuschieren und ergänzen", erzählt Silke Beiner-Büth.

Unter Einflüssen von Feuchtigkeit leiden auch die Daguerreotypien, eine Sammlung mit Unikaten aus den Anfängen der Fotografie. Als versilberte Kupferplatten, die lichtempfindlich gemacht wurden, neigen sie an den Rändern zum Anlaufen, wenn sie nicht durch eine luftdicht verklebte Glasplatte geschützt sind. Typische Folgen von schwefelhaltigen Luftschadstoffen. Wie bei den Miniaturen entstehen weitere Schäden durch Tröpfchenbildung auf der Innenseite des Schutzglases. Hier gilt es, die empfindlichen Objekte besonders vorsichtig zu reinigen, von Feuchtigkeit zu befreien und luftdicht unter eine schützende Polyethylenhülle zu bringen.

Dringender Handlungsbedarf besteht auch in der Sammlung der Hamburgensien. In Hunderten von Depotschachteln sind Straßen- und Stadtansichten sowie Porträts von Hamburger Persönlichkeiten in Form von Fotografien, Zeichnungen und Grafiken gelagert. Die Papiere sind auf altem, säurehaltigen Karton befestigt, der das Sammlungsgut angreift, die Schachteln überfüllt und veraltet. Bei der Konservierung will man Knicke und Risse versorgen und die Inhalte in neue säurefreie Materialien umlagern. Silke Beiner-Büth hofft auf eine starke Identifikation der Hamburger mit ihren Kulturschätzen. Dafür sollen sie eine Reproduktion ihres Objektes erhalten. Am 27. November (13 bis 17 Uhr) startet das Projekt mit einer Auftaktveranstaltung und offener Restaurierungswerkstatt.

Mein Stück Hamburg - Pate stehen für Hamburgs Geschichte! ab 27.11., Museum für Hamburgische Geschichte, Holstenwall 24, Informationen erteilt Silke Beiner-Büth unter T. 42 81 32 23 75 und per E-Mail unter silke.beiner-bueth@hamburgmuseum.de