Extrajournal HAW

Ein Falke aus Hamburg macht das Rennen

Foto: HAWKS Racing

Für das Projekt "HAWKS Racing e.V." bauen 50 Studenten einen Sportwagen - ein erfolgreiches Beispiel für interdisziplinäres Arbeiten.

Es brennt! Die Batterie hat Feuer gefangen. Henning Päsler, Leiter der Baugruppe Fahrwerk, und seine Kommilitonen bringt das jedoch nicht wirklich aus der Ruhe. "Wir hatten das Feuer sofort wieder gelöscht und alle Schäden innerhalb eines Tages behoben." So sei das nun mal, wenn man einen Prototyp entwickle, erklärt der 28-Jährige, der an der HAW Hamburg Fahrzeugbau studiert.

Mit 50 weiteren Studenten engagiert er sich beim Projekt "HAWKS Racing e.V.", einem virtuellen Motorsportunternehmen, bei dem ein kompletter Rennwagen in Eigenregie gebaut und vermarktet wird - mit Unterstützung aus der Industrie bei der Komponenten- und Teileanfertigung. Anfang des Jahres wurde mit der Fertigung begonnen. "Wir haben alle Einzelteile selbst gefertigt und dann alles zusammenmontiert. Und das in enger Zusammenarbeit mit Firmen, die uns großzügig unterstützen", betont Päsler.

Diese praktische Umsetzung des im Studium vermittelten Wissens hat ihn zu HAWKS gelockt: "Von der Ideenfindung über die Konstruktion, die Berechnung und Fertigung bis zur Erprobung - das ist schon faszinierend." Bewähren muss sich das jeweilige Jahresmodell bei den Rennen der "Formula Student". Die in Flammen aufgegangene Batterie hat dabei nicht weiter geschadet. Mit ihrem Boliden fuhren die Hamburger auf den 6. Platz in Hockenheim. Bei weiteren Wettkämpfen in Ungarn und Italien erreichten sie jeweils sogar den 3. Platz.

Das so erfolgreiche Fahrzeug ist bereits der siebte Falke (von hawks, engl. Falken) aus der HAW-Garage. Der kompakte und 200 Kilogramm leichte Renner leistet 90 PS, beschleunigt in 3,5 Sekunden auf Tempo 100. Verbrauch: 14,5 Liter/100 km. Das Herzstück ist ein Vierzylindermotor von Kawasaki, umgeben von einer Hybridkonstruktion aus einem CFK-Monocoque (selbsttragende Karosserie) und einem Stahlrohrheckrahmen.

Sieben verschiedene HAW-Gruppen haben Hand in Hand gearbeitet, um den Falken auf die Strecke zu bringen. Neben Fahrwerk und Motor gibt es das Elektronik-Team und je eine Gruppe, die für die Fahrgastzelle (Monocoque/Interieur) bzw. die Außenhaut (Exterieur) verantwortlich ist. Beteiligt sind auch die Controlling- und die Marketing-Gruppe. "Das ist ja gerade das Tolle an dem Projekt: Die Interdisziplinarität. Studenten aus den verschiedensten Fachbereichen kommen zusammen und konzipieren einen Rennwagen", sagt Teamleiterin Catharina Ruppel. Die meisten Teilnehmer stammen aus dem Studiengang Fahrzeugbau, andere aus dem Bereich Wirtschaft, Elektrotechnik, Maschinenbau oder Informatik. "Und die Medientechniker drehen gerade einen Werbefilm für uns", sagt die 23-Jährige.

Ruppel selbst studiert "Logistik/Technische Betriebswirtschaftslehre" im fünften Semester. Etwa 15 bis 20 Stunden in der Woche widmet sie inzwischen dem Projekt. "Es macht einfach sehr viel Spaß und ist eine gute Vorbereitung auf das spätere Berufsleben", sagt sie. Als Technische Betriebswirtin sieht sie sich künftig als Mittlerin zweier Disziplinen. "Den Ingenieuren ist die Berücksichtigung des Betriebswirtschaftlichen oft eher fern. Ich dagegen muss das Budget im Blick behalten und die Ingenieure auch mal bremsen, wenn sie ein tolles Detail nach dem anderen entwickeln. Gar nicht so einfach, wenn die so richtig Feuer und Flamme sind."

Die Begeisterung und Motivation der verschiedenen HAWKS-Teams für das Projekt ist spürbar. Umso wichtiger, den richtigen Ton bei der Koordination der verschiedenen Baugruppen zu finden, betont Ruppel. "Kommunikation ist da das A&O. Einmal im Monat kommen wir alle zusammen, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Daneben gibt es wöchentliche Treffen, und jeden Mittwoch haben wir Gruppenleiter-Besprechung."

Auch Thomas Cyron, Mitglied der Marketing-Gruppe, hat erfahren, wie heikel sich die Kommunikation gestalten kann, wenn jede Gruppe voller Begeisterung ihr jeweiliges Ziel verfolgt. "Dennoch muss ein für alle Gruppen tragfähiges Ergebnis gefunden werden." Doch gerade das trainiere die Teamfähigkeit, ist Cyron überzeugt. Und genau diese Erfahrung habe ihm geholfen, einen der begehrten Praktikumsplätze zu ergattern. "Mein Engagement bei HAWKS hat sich sicher sehr gut in meiner Bewerbung gemacht", glaubt der 21-Jährige. Cyron ist jetzt im vierten Semester, im kommenden Jahr steht seine Praxisphase an. Und die wird er beim Wirtschaftsnachrichtensender CNBC in London absolvieren.

Manchmal wird HAWKS auch zu einem ganz realen Karriere-Starthelfer, fügt Cyron hinzu: "Auf den "Formula Student"-Events sind immer auch Arbeitgeber vertreten, die unter den Hochschulteams gezielt ihren Nachwuchs suchen." Begeistert zeigt er sich bei den Wettbewerben von der großen Kameradschaft vor Ort. "Jeder hilft jedem, und es herrscht einfach eine tolle Stimmung."

Die "Formula Student" ist ein internationaler Konstruktionswettbewerb für Studenten, an dem sich aktuell 477 Teams weltweit beteiligen, 69 Teams davon aus Deutschland. Die von den verschiedenen Hochschulteams konstruierten Wagen treten bei neun Veranstaltungen gegeneinander an. "Das größte europäische Treffen ist in Hockenheim, da nehmen mehr als 100 Teams teil, die dazu eigens aus den USA, Indien oder Südafrika nach Deutschland kommen", erklärt Cyron. Dabei muss sich der Hamburger Falke in verschiedenen Disziplinen gegen die konkurrierenden Teams beweisen. Etwa beim Auto Cross, Skidpad (Test der Querbeschleunigung) oder dem Endurance, das über 22 Runden geht und nach der Hälfte einen Fahrerwechsel vorsieht. Das sei die Königsdisziplin, sagt Cyron, denn hier zeige sich, ob der Wagen der Belastung der langen Strecke standhalte und zudem noch zeitlich konkurrenzfähig fahre. Darüber hinaus bewertet die "Formula Student"-Jury auch Aspekte wie Ingenieurs-Leistung, Konzept und Finesse in der Konstruktion. Der "Costreport" analysiert die Finanzplanung, und auch die Bewertung des Businessplans fließt in die Gesamtwertung ein.

Nachdem alle Kinderkrankheiten beseitigt waren, hat sich ihr Bolide in diesem Jahr wirklich gut geschlagen, findet auch Päsler. Um als Fahrer infrage zu kommen, ist er nach eigener Aussage zwar zu groß und zu schwer, probeweise hinter dem Steuer gesessen hat er aber trotzdem. "Das Fahrgefühl ist einzigartig. Ich bin schon viele schnelle Sportwagen gefahren, aber das ist einfach kein Vergleich. Allein die Beschleunigung - wirklich fantastisch."