Glanzstücke für die Umwelt

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Nachhaltig gewonnenes Gold stammt aus dem Recycling oder von speziellen Minen

Trau-, Verlobungs- und Freundschaftsringe besiegeln glückliche Beziehungen. Goldschmied Jan Spille setzt noch eins drauf: Seine "ökofairen" Trauringe bestehen aus Gold, das nachhaltig gewonnen und verarbeitet wurde. Die Schmuckmanufaktur auf St. Pauli zählt damit zu den Vorreitern unter den Goldschmieden, die ihre Glanzstücke nicht auf Kosten der Umwelt oder unter Einsatz ausgebeuteter Arbeiter herstellen wollen.

Das Minenunglück in Chile, bei dem 33 Kumpel im vergangenen Herbst monatelang in der Tiefe eingeschlossen waren, zeigte einmal mehr die unsicheren Arbeitsbedingungen in Gold- und Silberminen. Das Gold wird zudem meist mit Quecksilber oder Zyanid aus dem Gestein oder Flusssediment gewonnen, was zu großen Umweltbelastungen führt. "Nicht nur die Gifte sind ein Problem", sagt Jan Spille. "Beim Bergbau wird sehr viel Gestein bewegt. Das kostet Energie und verursacht entsprechend viel CO2."

Spille, der 2004 auf der Walz als wandernder Handwerker das Thema fairer Schmuck für sich entdeckte, verarbeitet seit 2006 nur noch nachhaltig gewonnenes Gold. Er unterscheidet zwischen "Eco fair Gold" und "Eco Gold". Letzteres ist recyceltes Altgold. Spille: "Wenn meine Kunden sich Ringe ausgesucht haben, frage ich sie, ob ich ihnen Altgold aufkaufen kann, zum Beispiel Schmuck aus Familienbesitz.

Ich sammle das Material und bringe es einmal im Jahr in die Scheideanstalt. Denn verarbeitetes Gold ist immer unrein, es sind verschiedenste Legierungen, die Kupfer, Palladium, Silber und Lotverbindungen vom Löten enthalten. Deshalb schmelze ich alten Schmuck nicht selbst ein, sondern arbeite mit sortenreinem Material, aus dem ich eigene Legierungen herstelle."

"Eco fair Gold" kommt dagegen aus zwei umwelt- und sozialverträglich arbeitenden Minen in Kolumbien und den argentinischen Anden. "Beide sind Kooperativen, bei denen die Arbeiter per Waschschüssel Gold aus Sedimentgesteinen gewinnen. Dabei setzen sie weder Quecksilber noch Zyanide ein." Die argentinische Kooperative Eco Andina habe ihr Geschäft inzwischen erweitert, erzählt Spille, betreibe auch Solaranlagen und Ökotourismus.

Der zweite Lieferant, Oro Verde in Kolumbien, ist bereits zertifiziert. Denn während es in Deutschland noch kein Label für fairen Schmuck gibt, ist man in Großbritannien schon weiter. Dort sind ökofaire Schmuckstücke bereits im Angebot - und als Voraussetzung dafür die liefernden Minenbetriebe überprüft und ausgezeichnet. Auch in Deutschland könnten Schmuckstücke demnächst das bekannte nationale Fair-Trade-Siegel der Organisation Transfair tragen. "Wir suchen einen großen Anbieter, der das Siegel beantragt", sagt Claudia Brück von Transfair. "Parallel müssen jedoch auch noch weitere Minen zertifiziert werden."

Jan Spille kann mit dem jetzigen Angebot an fairem Gold erst einmal arbeiten. Und auch beim Silber ist er gut aufgestellt. "Ich beziehe es aus Bolivien. Dort wurde eine große Silbermine stillgelegt und der ansässigen Bevölkerung gestattet, auf der Halde Silbererze zu sammeln. Mit Unterstützung der deutschen staatlichen Entwicklungsgesellschaft GTZ entstand eine Anlage, die das Silber vor Ort verhüttet."

Schwieriger wird es bei den Edelsteinen, die seit einigen Jahren gern in Trauringe eingearbeitet werden. Einige Quarze wie Amethyst, Bergkristalle und Turmaline bezieht Spille von einem brasilianischen Familienbetrieb. Aber gerade bei Diamanten, die auch als "Blutdiamanten" bekannt wurden, weil im Kongo ihre Erlöse den Bürgerkrieg finanzierten, habe sich wenig getan, so Spille: "Es gibt zwar ein Zertifizierungssystem, den sogenannten Kimberley-Prozess. Dort verpflichten sich Länder oder Unternehmen, keine Ware aus Krisenregionen zu kaufen. Aber mit einer umwelt- und sozialverträglichen Gewinnung hat das noch nichts zu tun."

Spille bevorzugt daher die Fair-Trade-Diamanten, die, wie auch Rubine und Saphire, Bergbaukooperativen und Dorfgemeinschaften in Tansania, Madagaskar und Lesotho anbieten. Allerdings ist die Versorgung noch lückenhaft. Deshalb weist Spille seine Kundschaft schon im Internet darauf hin: "Da das Ressourcenangebot bei Fair-Trade-Steinen derzeit noch nicht immer gesichert ist, muss in jedem Fall neu geprüft werden, welche Steine verfügbar sind."

Selbst wenn die eine oder andere Farbnuance fehlt: Paare, die bei Jan Spille oder im Atelier von Thomas Becker am Grindelhof, der für sein ökofaires Sortiment bereits mehrere Auszeichnungen erhielt, Schmuck kaufen, können sicher sein, dass an den Glanzstücken kein virtuelles Blut klebt - und somit nicht nur in ihrer Beziehung Fairness herrscht.

( (hi) )