Einkaufen mit Nostalgie

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Gisela Albrod

Ein original Kolonialwarenladen ist die neue Attraktion im Freilichtmuseum am Kiekeberg

Wer auf Qualität setzt und etwas Ausgefallenes für den häuslichen Bereich sucht, etwa handgewebte Küchentücher oder form- und farbschönes Keramikgeschirr, kann diese im Freilichtmuseum am Kiekeberg finden. Seit der Eröffnung im März 2010 hat sich der neue Museumsladen in kürzester Zeit zu einem Publikumsmagnet entwickelt. In stilvollem Ambiente können Besucher stöbern und in Kindheitserinnerungen schwelgen. Die Zeitschrift "Country" hat diesen Shop kürzlich zu einer der besten Einkaufsadressen Norddeutschlands gekürt.

Wie alles, was im Freilichtmuseum zu sehen ist, hat auch dieser Laden eine eigene Geschichte. Sie begann im Jahr 1911 in Marburg an der Lahn. Dort gab Georg C. Althaus für sein Kolonialwarengeschäft eine damals hochaktuelle Jugendstil-Möblierung in Auftrag. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs übernahm der Sohn das Geschäft. Das Kaufverhalten der Menschen änderte sich. In den 60er-Jahren verdrängten Supermärkte mehr und mehr die traditionellen Kolonialwarenläden. Überleben konnte nur, wer sich spezialisierte. Wilhelm Althaus konzentrierte sich von nun an auf den Wein- und Spirituosenhandel, der von Anfang an in der Firma eine wichtige Rolle gespielt hatte.

Nach einem weiteren Generationswechsel in den 80er-Jahren ließ Wilhelm Althaus jun. die Inneneinrichtung mit viel Aufwand und Liebe zum Detail restaurieren. Bis 2009 stand er selbst hinter der Ladentheke. Weil er keinen Nachfolger finden konnte, entschloss er sich, das Geschäft aufzugeben. Allerdings wollte die Familie die historische Ladeneinrichtung erhalten.

Das Jugendstil-Interieur passt hervorragend in die Ausstellungsräume des Freilichtmuseums. Das qualiativ hochwertige Sortiment ist ansprechend präsentiert. Zu den liebenswerten Details der Ladeneinrichtung gehören die Emailleschilder mit Originalbeschriftung an den Schubfächern. Ein Blickfang ist die blütenumrankte Uhr oberhalb des Regals. Sie besitzt noch ihre ursprüngliche Mechanik, die alle acht Tage aufgezogen werden muss. Einige Regalelemente wurden nach traditioneller Handwerkskunst von den Museumsschreinern ergänzt und farblich angepasst. Das geschulte Auge kann zwischen alt und neu nicht unterscheiden.

Als glückliche Fügung erwies sich, dass das Freilichtmuseum eine im Jugendstil gefertigte Doppeltür aus dem Jahr 1901 besaß, die schon mehrere Jahre im Magazin auf ihren Einsatz wartete. Sie diente einmal als Haustür im Schütten Hof in Eddelsen (Kreis Seevetal). Jetzt bildet die glasverzierte Tür die perfekte Ergänzung für den Marburger Kolonialwarenladen.

Der Besucher kann zwischen einer Vielzahl handwerklicher, literarischer und kulinarischer Spezialitäten wählen: Bürsten, Körbe, Blechspielzeug, farbenprächtige Oblatenbilder, Fach- und Kinderliteratur, außerdem traditionelle regionale Produkte wie Marmeladen, Seifen, Öle, Hausmacherwurst und nicht zuletzt Hochprozentiges, das zum Teil in der hauseigenen Museumsbrennerei hergestellt wird. Zu den Verkaufsschlagern gehört der Alte Haidmarker, ein Kornbrand, den schon der ehemalige Reichskanzler Otto von Bismarck in höchsten Tönen lobte. Oder auch Buchweizenbrand, Haferbrand und Roggenkornbrand. Wer es süß mag, wird eher zum Haideküsschen greifen, einem Granatapfellikör mit mild-fruchtigem Geschmack.

Die Mitarbeiter des Museumsladens beraten gerne bei der individuellen Zusammenstellung von Präsentkörben. Jeder Korb ist ein handgeflochtenes Unikat (Information und Bestellung unter T. 79 01 76 21).

Freilichtmuseum am Kiekeberg Am Kiekeberg 1, 21224 Rosengarten-Ehestorf, T. 790 17 60, März bis Oktober Di-Fr 9.00-17.00, Sa-So 10.00-18.00