Worauf baut Hamburg?

Die Politik steht in einer besonderen Verantwortung

Hamburg ist eine grüne Stadt - die vielen Parks und öffentlichen Freiräume, die die Hansestadt zu bieten hat, gehören seit Langem zu den wichtigen weichen Standortfaktoren. Diesen Standortfaktor muss sich Hamburg bewahren, hier steht die Politik in einer besonderen Verantwortung, sich nicht auf bereits Erreichtem oder natürlich Vorhandenem auszuruhen, sondern mit klugen Stadtentwicklungsmaßnahmen Hamburg zur nachhaltigen und weiterhin lebenswerten Stadt zu gestalten.

Im Moment befinden wir uns in einer Phase der Reurbanisierung - die Stadt und ihre Bedeutung wachsen. Das ist besonders in Stadtteilen wie Ottensen oder Eimsbüttel zu beobachten, die durch ihre gute Infrastruktur viele Menschen anziehen. Die Folge: Immer mehr Menschen wohnen hier auf immer engerem Raum zusammen. Das ist einerseits nachhaltig, weil so Ressourcen besser genutzt werden können, andererseits steigt durch so enge Wohnsituationen aber auch der Anspruch an die verfügbaren öffentlichen wie privaten Freiräume.

Kurz gesagt: Wer in Ottensen wohnt, hat in der Regel keinen eigenen Garten, sondern möchte öffentliche Freiräume zur Erholung nutzen können. Hier ist die Stadt gefordert, denn öffentliche Erholungsflächen müssen entweder neu geschaffen oder instand gehalten werden.

Eine kleine Anekdote hierzu. Ich war im Sommer mit meinem Hund auf dem Altonaer Balkon spazieren und wunderte mich über ein Schild: Bürger und Bürgerinnen könnten sich beim Gartenbauamt Rasenmäher ausleihen, um die Grünfläche selbst zu mähen, weil aus finanziellen Gründen ein regelmäßiges Mähen vonseiten der Stadt nicht möglich sei. Hier zeigt sich deutlich, dass die Weiterentwicklung unserer Stadt vielschichtig ist, die zeitgemäße Ausgestaltung der Quartiere bedarf der qualitätsvollen Architektur und qualifizierten Freiraumangebote in gleichem Maße.

Die Freie und Hansestadt sollte sich daher aus meiner Sicht noch intensiver um die Entwicklung und Gestaltung der öffentlichen Räume in den Stadtteilen kümmern, wozu auch eine ausreichende Finanzierung gehört. Die Bürgerinnen und Bürger einzubinden halte ich generell für eine gute Idee: Eine verantwortliche gemeinsame Nutzung der öffentlichen Flächen, ein Bewusstsein darüber, dass es "unsere Stadt" ist, kann nur hilfreich sein. Im kommerziellen Bereich geschieht so etwas bereits bei den sogenannten Business Improvement Districts: Am Neuen Wall beispielsweise haben sich Gewerbetreibende zusammengetan, um ihr Quartier selbst zu gestalten. Der sozialen Gerechtigkeit willen sollte die öffentliche Hand ihren Teil zu ähnlichen Konzepten in Wohngebieten beitragen.

Gut funktioniert das Zusammenspiel von Städtebau und Freiraumgestaltung im größeren Rahmen: In der HafenCity hatte von Anfang an die Gestaltung der Freiräume hohe Priorität, sodass dem Thema öffentliche Erholungsflächen ein angemessener Stellenwert zukam. Durch verschiedene Wettbewerbe zur urbanen Quartiersgestaltung konnte das Viertel sehr profitieren - es gibt dort viele attraktive Freiflächen, die von den Anwohnern genutzt werden. Zu einer guten Stadtraumgestaltung gehört auch eine qualitätsvolle öffentliche Beleuchtung. Das bedeutet, dass die Atmosphäre des öffentlichen Raums auch von guter Beleuchtungsqualität lebt. Hier ist sowohl energetisch wie atmosphärisch Nachbesserungsbedarf vorhanden.

Auch die Planungen für die Überdeckelung der A 7 sind im Sinne der zeitgemäßen Stadtgestaltung vorbildlich: Hier soll ein Park entstehen, der die Lebensqualität im Quartier nachhaltig verbessern wird.