Worauf baut Hamburg?

Klimaschutz darf nicht zum Mietpreistreiber werden

Wie grün ist Hamburgs Stadtentwicklung? Wie grün kann und soll Stadtentwicklung überhaupt sein? In den letzten Jahren hat die GAL-geführte Stadtentwicklungsbehörde einen starken politischen Fokus auf die Erreichung ökologischer Zielvorgaben gelegt. Dabei sind wichtige Weichenstellungen vorgenommen worden, aber auch ungelöste Zielkonflikte erkennbar geworden.

In einer modernen Großstadt wie Hamburg, einem hochkomplexen Lebens- und Wirtschaftsraum, muss Stadtentwicklung zahlreiche - teilweise gegenläufige - Bedarfe der Millionen hier lebenden und arbeitenden Menschen im Blick haben. Ökologische Verantwortlichkeit ist hierbei eine, durchaus zentrale Anforderung. Zwei Gesichtspunkte bekommen insoweit besonderes Gewicht: die Senkung des Energieverbrauchs und des Flächenverbrauchs. Beide wichtige Ziele können jedoch mit anderen Zielen - insbesondere der Schaffung von ausreichendem und günstigem Wohnraum - in Konflikt geraten.

In Hamburg wurden in den vergangenen Jahren wichtige Anstrengungen unternommen, um den Energieverbrauch und damit den CO2-Ausstoß neu errichteter Wohn- und Bürogebäude zu senken. Allerdings wurden die energetischen Standards so häufig und deutlich verschärft, dass die Baukosten und entsprechend die Mieten spürbar steigen und die hohen Anforderungen gleichzeitig den Wohnungsbau bremsen. Hamburg sollte deshalb auf weitere Verschärfungen der bereits hohen energetischen Vorgaben vorerst verzichten. Hinzu kommt: Klimaschutz endet nicht an der Grenze unseres Stadtstaates, je mehr die Menschen, die in Hamburg arbeiten, auch in der Stadt eine Wohnung finden, desto weniger umweltbelastende Pendlerverkehre fallen an.

Auch der gesamte vorhandene Wohnungsbestand soll energetisch modernisiert werden. Von den erheblichen Kosten hierfür können elf Prozent dauerhaft auf die Miete umgelegt werden. Dies führt zu teilweise drastischen Mieterhöhungen, die durch eingesparte Energiekosten bei Weitem nicht ausgeglichen werden. Klimaschutz darf jedoch nicht zum Mietpreistreiber werden. Sozial vertretbar wäre es daher, Mieterhöhungen nur bis zur doppelten Höhe der ersparten Energiekosten zuzulassen. Die Modernisierungsanstrengungen müssen zudem auf die besonders schlecht gedämmten Wohnungsbestände der 50er- und 60er-Jahre konzentriert werden, da dem Aufwand hier das größte Energiesparpotenzial gegenüber steht. Denn es gilt: Das Aufwand-Nutzen-Verhältnis verschlechtert sich rapide, je höher der energetische Standard bereits ist.

Gute Stadtentwicklung muss klug mit den vorhandenen Flächen umgehen. In einer räumlich eng begrenzten Großstadt wie Hamburg konkurrieren stets verschiedene Nutzungen um die knappen Flächenreserven. Dem Wunsch nach Erhalt und Schaffung möglichst vieler Grün- und Naturflächen stehen gewichtige Flächenbedarfe etwa für den Wohnungsbau gegenüber. Wenn wir den großen Anteil an Grün- und Freiflächen mit seiner hohen Lebensqualität und ökologischen Bedeutung erhalten und gleichzeitig die Flächenbedarfe einer prosperierenden Großstadt decken wollen, werden wir zu mehr baulicher Höhe und Dichte in der vorhandenen Bebauung kommen müssen.