Interkulturelles Wohnhaus für pflegebedürftige Senioren

In Wilhelmsburg wird die "kultursensible Altenpflege" Realität

"Über das Thema wird viel geschrieben. Wir wollen es in die Praxis umsetzen", sagt Uli Hellweg, Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburg. Das Thema ist die "kultursensible Altenpflege", und das Projekt, das im Rahmen der Bauausstellung in Wilhelmsburg verwirklicht werden soll, ist der Bau eines "interkulturellen Wohnhauses für pflegebedürftige Senioren".

Das Veringeck genannte Haus wird im südlichen Reiherstiegviertel errichtet und soll auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein. "Im Erdgeschoss wird es eine Tagesstätte, ein Café und ein Haman, ein türkisches Dampfbad, geben", sagt Hellweg. Die darüberliegenden beiden Stockwerke beherbergen das interkulturelle Seniorenhaus, im oberen Stockwerk soll eine Demenz-WG für türkische Senioren untergebracht werden.

"Uns war wichtig, dass wir ein Haus bauen, das nicht folkloristisch mit dem Thema umgeht", betont Hellweg. "Hier soll keine abgeschottete Exklave entstehen, sondern eine multikulturelle Wohngemeinschaft, die einen regen Kontakt zur Öffentlichkeit hat." Ziel ist es, nicht nur die Angehörigen in das aktuelle Geschehen im Haus einzubinden, sondern mit dem interkulturellen Seniorenheim auch ein Begegnungsforum anzubieten. Man wolle mit dem Veringeck einen Baustein für die internationale Stadtgesellschaft einfügen.

"Der Grundriss lässt keine Separation zu", hebt Hellweg hervor. "Es wird keine getrennten Fernsehräume oder spezielle Veranstaltungen für deutsche oder türkische Senioren geben." Gemeinsamer Treffpunkt sei ein Kaminzimmer. Der Träger, Multi Kulti, habe ein ausgeklügeltes Konzept erarbeitet.

Gebaut wird der Entwurf der Architekten Frank Gutzeit und Jan Ostermann, ein Team, das bereits Erfahrungen bei der Gestaltung von Gebäuden für pflegebedürftige und an Demenz erkrankte Senioren hat. "Beim Veringeck haben wir uns die Aufgabe gestellt, die Beziehungen der einzelnen Funktionsbereiche zueinander einerseits so gut wie möglich zu verbinden, andererseits sie sauber voneinander zu trennen", erklärt Jan Ostermann. "Das Haus soll lebendig und offen erscheinen, aber dennoch gut und störungsfrei betrieben werden können."

Die besondere Qualität des Hauses lässt sich schon an der Fassade ablesen. Die moderne Interpretation des orientalischen Girih-Musters, einer traditionellen blauen Ornamentik, ist unübersehbar. Diese Muster finden sich auch im Inneren des Gebäudes. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von architektonischen Details, die es insbesondere den türkischen Senioren erleichtern soll, sich heimisch zu fühlen.

Dazu Jan Ostermann: "Vor jedem Wohnbereich gibt es eine kleine Nische, in der die Bewohner ihre Schuhe ausziehen und stehen lassen können. Außerdem haben wir kleine Fensternischen konstruiert, in denen die Bewohner sitzen und das Geschehen auf der Straße verfolgen können."

Dieses Haus wird, so lautet die Hoffnung von Uli Hellweg, eine Vorbildfunktion erfüllen. "Das Thema liegt ohnehin auf der Straße. Und es gibt auch bereits Interessenten, die etwas Ähnliches bauen wollen - beispielsweise auf der Veddel."