Museum für Kunst und Gewerbe

Diener und Glücksbringer

Auf den Spuren von "Göttern, Götzen und Idolen"

Unter einem Idol verstehen wir heute Stars und solche, die es gerne wären. Diesen Sinn hat der Begriff erst im Laufe des 20. Jahrhunderts erhalten. Ursprünglich leitete er sich vom griechischen/römischen "eidolon/idolum" ab und kennzeichnete ein Bild oder Abbild. Erste Erwähnung findet er in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. Bei Homer in den Epen "Ilias" und "Odyssee" wurden hiermit Flügelfigürchen, die den Toten verließen, bezeichnet, später auch Götterfiguren.

Seit frühester Zeit schuf der Mensch stilisierte Figuren aus Stein, Bronze, Elfenbein, Ton oder Holz, die in der Wissenschaft als Idole bezeichnet werden. So verschieden ihre Formen, so unterschiedlich sind auch ihre Deutungen. Über 180 dieser Exponate, darunter zahlreiche Idole aus dem Vorderen Orient, Ägypten, Griechenland und Italien von der Jungsteinzeit bis in die römische Zeit sowie Grafiken und alte Buchdrucke zur Welt der antiken Idole und ihrer Rezeption in der Neuzeit, präsentiert ab dem 28. Januar in Kooperation mit dem Winkelmuseum Stendal die Schau "Götter, Götzen und Idole" im Museum für Kunst und Gewerbe.

Die Ausstellung stellt Fragen nach dem Umgang mit Idolwelten und bietet ein Beispiel dafür, dass die Vorstellungen in allen Kulturkreisen ähnlich sind. "Lange galten die Figuren als primitiv, so wurden Marmoridole von den Ägäischen Inseln in archäologischen Publikationen als kleine Scheusale aus Marmorsplittern tituliert", erzählt Ausstellungskurator Dr. Frank Hildebrandt. Das änderte sich, als etwa Pablo Picasso über die so gescholtenen Kykladenidole 100 Jahre später äußerte: "Ich schätze diese Kunst mehr als eine Skulptur von Brancusi." Gemeinsam ist den in ihrem äußeren Erscheinungsbild variierenden Idolen ihre handliche Größe zwischen fünf und 25 Zentimetern; einzigartig ist ein in der Ausstellung zu sehendes 60 Zentimeter hohes weibliches Idol aus dem Vorderen Orient. Die in der Mehrzahl weiblichen Idole stellen Götterbilder oder Bittflehende dar und dienten als Talismane, Weih- und Grabbeigaben. Sie sollten die Lebenden und Toten begleiten, schützen und ihnen zu Diensten sein.

Zahlreiche Kupferstiche, Grafiken und Buchdrucke erläutern den Beginn der Erforschung antiker Idole. Ausgangspunkt ist Martin Luthers Gleichsetzung antiker Götter und Idole mit Götzenbildnissen, die noch Jahrhunderte nach der Reformation galt. Bilderstürmern fielen nicht nur heidnische Götzen, sondern auch christliche Bildwerke zum Opfer. Dennoch blieben in Nordeuropa volkstümliche Kultfiguren erhalten, die Ausgangspunkt für fantasiereiche Erfindungen von Götzen und Fälschungen nordischer Götter wurden: 1768 fertigten die Gebrüder Jacob und Gildeon Sponholz Fälschungen an und gaben wissenschaftliche Publikationen in Auftrag, um Glaubwürdigkeit zu suggerieren.

Die wissenschaftliche Erforschung begann 1764 mit Johann Joachim Winckelmann. "Noch immer geben uns zahlreiche Idole Rätsel auf", so Dr. Hildebrandt. "Sie sind aber auch Beispiel gemeinsamer menschlicher Vorstellungen durch alle Zeiten und über alle kulturellen Grenzen hinweg."

Götter, Götzen und Idole 28.1. bis 30.4.2011, Museum für Kunst und Gewerbe, Steintorplatz, Di-So 11.00-18.00, Do 11.00-21.00