Dicht gedrängt nach Übersee

In einem neuen Ausstellungsteil präsentiert die BallinStadt die Situation der Auswanderer unter Deck

Auswandern ist keine Urlaubsreise. Wer vor 100 Jahren die Heimat in Richtung der Neuen Welt verlassen wollte, brauchte gute Nerven. Viele Menschen konnten sich nur die Überfahrt in der billigsten, dritten Klasse leisten. Was sie dort erlebten, zeigt anschaulich Die BallinStadt - Auswanderermuseum Hamburg im neuen Ausstellungsteil "Unter Deck". Eng und dunkel waren die Massenunterkünfte in den Zwischendecks auf einem Großsegler um 1870. Die Decke war gerade mal 1,80 Meter hoch. Die Decks enthielten einfach zusammengezimmerte Kojen. In den Betten hausten auf einer Fläche von 12 Quadratfuß (1,88 mal 0,63 Meter) bis zu vier Menschen.

Ihre Matrazen, Kissen und Decken sowie Geschirr mussten die Auswanderer selbst mitbringen. Bei schlechtem Wetter blieben die Luken geschlossen. Kein Sauerstoff drang hinein. Viele wurden seekrank. Zwar waren die Reedereien verpflichtet, für Proviant zu sorgen, doch häufig waren die Lebensmittel verdorben. Die sanitären Anlagen genügten selbst einfachsten Ansprüchen nicht. Noch 1887 gab es für 50 Passagiere nur eine Toilette. Fortschrittlich gestaltete sich dagegen die Überfahrt in der zweiten Klasse eines Schnelldampfers um 1910. Die Zwei- bis Vierbettkabinen boten viel Raum und eigene Waschgelegenheit. Sogar ein Schiffsarzt stand bereit.

Die Umbauarbeiten für den neuen Ausstellungsteil hat Studio Hamburg übernommen, die Hamburger Behörde für Kultur, Sport und Medien und die Hamburger Morgensprache der Handelskammer unterstützten den Bau finanziell. Heute kaum vorstellbar: Eine Überfahrt kostete die Auswanderer etwa drei Monatsgehälter eines Maurers. Manche sparten bis zu zehn Jahre für ihre Überfahrt.

Unter Deck BallinStadt - Auswanderermuseum Hamburg, Haus 2, Veddeler Bogen 2, Nov.-März 10.00-16.30 Uhr, T. 31 97 91 60