Buddenbrookhaus

Schöne Bescherung

Das Weihnachtskapitel aus den "Buddenbrooks" wird im Dezember zelebriert

Unmittelbar vor dem ersten Advent scheint es, als würde wieder neues Leben in die rekonstruierten Räume des Lübecker Buddenbrookhauses einziehen: Das restliche Jahr liegen Schonbezüge über den Möbeln, wirken Landschaftszimmer, Götterzimmer und Säulenhalle so, als habe die Familie Buddenbrook ihr von Thomas Mann so anschaulich beschriebenes Heim gerade für immer verlassen. Doch in der Adventszeit kehren sie scheinbar jedes Jahr wieder zurück. Die zwei Räume des als "begehbarer Roman" gestalteten Buddenbrookhauses wirken, als würde der Weihnachtsabend unmittelbar bevorstehen. Mit viel Liebe fürs Detail haben die Museumsmitarbeiter alles so hergerichtet, wie es der aus Lübeck stammende Literaturnobelpreisträger im Weihnachtskapitel seines Jahrhundertromans geschildert hat: Die Verhüllungen über den Möbeln sind verschwunden, dafür steht ein mit weißen Lilien geschmückter Weihnachtsbaum im Landschaftszimmer. Und natürlich fehlt auch das Puppentheater nicht, das der kleine Hanno geschenkt bekommt.

"Auch für unsere Mitarbeiter ist es jedes Jahr wieder etwas Besonderes, die Räume zu dekorieren. Und die Besucher, die im Dezember zu uns kommen, sind glücklich, alle Details so vorzufinden, wie sie es aus dem Weihnachtskapitel der Buddenbrooks kennen", sagt Museumsleiter Holger Pils.

Schauen wir also hinein in die weihnachtlich geschmückten Räume und stellen uns vor, wie die hanseatische Großfamilie gleich eintreffen wird: die verwitwete Konsulin, deren Bruder Justus mit Gattin, Senator Thomas mit Gerda und dem kleinen Hanno, Tony Permaneder mit Tochter Erika, deren Mann Hugo Weinschenk und der kleinen Tochter Elisabeth. Der schon leicht angetrunkene Christian Buddenbrook, dazu Cousins und Cousinen und auch die Pensionatsleiterin Therese Weichbrodt, besser bekannt unter dem Kosenamen Sesemi.

"Den Heiligen Abend hielt die Konsulin fest im Besitz, und zwar für die ganze Familie, sodass am Spätnachmittage des 24. die gesamte Donnerstag-Tafelrunde, und dazu noch Jürgen Kröger aus Wismar sowie Therese Weichbrodt mit Madame Kethelsen, im Landschaftszimmer zusammentrat", heißt es im Roman, in dem das alljährliche Ritual in anschaulichster und umständlichster Ausführlichkeit beschrieben wird.

Man hat sich im Landschaftszimmer versammelt, geht dann in den Esssaal, wo der geschmückte Tannenbaum, ein "plastisches Krippen-Arrangement" sowie eine große Tafel mit Geschenken zu finden sind. Darufhin werden die Dienstboten und "Hausarmen", die im Korridor gewartet haben, mit kleinen Geschenken bedacht. "Und als dies erledigt war, setzte man sich mit gutem Gewissen zu einer nachhaltigen Mahlzeit nieder", heißt es in dem 1901 erstmals erschienenen Roman, der ebenso subtil wie eindringlich den "Verfall einer Familie" schildert.

Gerade in der Weihnachtszene zeigen sich die Risse unter der Fassade der noblen Kaufmannsfamilie: Tony hat schon zwei gescheiterte Ehen hinter sich, ihr Schwiegersohn, Direktor Hugo Weinschenk, muss sich in einem Prozess wegen betrügerischer Manipulationen verantworten, für die großbürgerliche Familie eine Zumutung. Umso stärker klammert sich die Konsulin an das Ritual, das die Illusion der heilen Familie am Leben erhalten soll. Gegen Ende des Festessens, "bevor man zu Butter und Käse überging", hält sie eine kleine Ansprache: "Wenn auch nicht alles, sagte sie, im Laufe der Jahre sich so gestaltet habe, wie man es sich kurzsichtig und unweise erwünscht habe, so bleibe doch immer noch übergenug des sichtbarlichen Segens übrig, um die Herzen mit Dank zu erfüllen."

Die Besucher des weihnachtlichen Buddenbrookhauses können sich beinahe wie Zaungäste dieses Weihnachtsabends fühlen, der so trügerisch und so schön ist, wie es nur Thomas Mann beschreiben konnte.

Weihnachtskapitel bis 31.12., Buddenbrookhaus Mengstraße 4, 23552 Lübeck, Mo-So 10.00-18.00