Klangreisen für Chor und zwei Streicher

Der NDR Chor eröffnet die Saison mit "Aurora"

Die menschliche Stimme ist das vielleicht vielseitigste Musikinstrument überhaupt - denn sie kann nicht nur Töne in unterschiedlicher Höhe und Lautstärke produzieren, sondern verfügt vor allem über ein besonders großes Spektrum an Farben.

Dieses Spektrum hat der schwedische Komponist Anders Hillborg in seinem Werk "Muoayiyaoum" (1983) auf faszinierende Weise ausgeleuchtet: Hinter dem rätselhaft anmutenden Titel verbirgt sich nämlich eine kunstvoll arrangierte Folge verschiedener Vokalfärbungen. Das heißt, manche Sänger beginnen etwa bei einem O mit fast geschlossenem Mund und verändern dann allmählich die Lippenstellung, so dass der Klang offener und heller wird - und die anderen Stimmgruppen singen ähnliche Muster, die sich dann übereinanderlegen oder miteinander verschränkt werden.

Der flirrende Klang gemahnt an das Leuchten des Nordlichts. Sie eröffnet das Konzert "Aurora", mit dem der NDR Chor und sein Direktor Philipp Ahmann die Chorlandschaften Skandinaviens und des Baltikums erkunden.

Dazu gehören auch das stimmungsvolle "Sommarnatten" ("Sommernacht") des Finnen Einojuhani Rautavaara und die "Plainscapes" von Peteris Vasks. Der Lette kombiniert den Chorklang hier mit dem zweier Streichinstrumente, für die der NDR Chor die Geigerin Tanja Becker-Bender und die Cellistin Tanja Tetzlaff zu Gast hat.

Der "Aurora"-Abend ist das erste von vier Abo-Konzerten des NDR Chors, die alle in Hamburger Kirchen stattfinden. Im zweiten Konzert am 25. November, "Verwandlung", dirigiert Ahmann unter anderem die Bach-Motette "Fürchte dich nicht" und Frank Martins doppelchörige Messe.

Aurora 30.9., 20 Uhr, St. Johannis Harvestehude