NDR Sinfonieorchester

Geläuterte Pranke

Ein Pianist: Arcadi Volodos spielt Tschaikowsky

Beim Wort "Tastenlöwe" denken wir an einen Pianisten, der keinerlei technische Hürden zu kennen scheint, für den Virtuosität im Umgang mit dem Instrument und den Noten nicht etwas hart Errungenes, sondern Lebensgefühl und Berufsethos ist. Sensiblere Zeitgenossen hören in dem Wort freilich auch leise Kritik: an einer Tastenkunst, die den Oberflächenglanz über die Tiefe des Empfindens stellt und in der das Musikalische vor lauter lauten, schnellen Tönen mitunter auf der Strecke bleibt.

Kaum ein zeitgenössischer Pianist verkörpert die Spannbreite des Virtuosentums derart eindrucksvoll wie der 1972 in Sankt Petersburg geborene Arcadi Volodos. Nicht zufällig zählt Volodos den Tastenartisten Vladimir Horowitz zu seinen größten Vorbildern. Ihm eiferte Volodos von früh auf nach. In seinen Anfangsjahren gefiel sich Volodos dabei durchaus als ein genuiner "Tastenlöwe", der bei Stücken wie dem dritten Rachmaninow-Konzert erst richtig Leben in der Pranke spürt. Nicht immer konnte er die Schattenseiten des Virtuosentums dabei umgehen. Längst hat der gereifte Künstler eine Wende vollzogen; seit einiger Zeit bereichern etwa die nur mit innerem Reichtum und Wahrhaftigkeit zu bewältigenden Sonaten Franz Schuberts seine Programme.

Es verwundert nicht, dass Volodos auch Virtuosität radikal neu definiert: "Für mich ist ein Virtuose ein Zauberer, ein Magier - und bei denen geht es ja auch nur zum Teil um die Technik, viel wichtiger ist die Illusion, der Aufbau einer fantastischen Welt, das Spiel mit dem Schein und dem Sein."

Bei seinen Auftritten mit dem NDR-Sinfonieorchester unter der Leitung von Lawrence Foster wird Volodos dieses geläuterte Verständnis nun an ebenjenem b-Moll-Konzert Tschaikowskys demonstrieren, das von jeher als Prüfstein jedes Tastenlöwen gilt. Auf dem Programm stehen außerdem eine Meditation über Bachs Chaconne von Xavier Montsalvatge und Manuel de Fallas "Dreispitz"-Musik.

Abo-Konzerte 28.10., 20 Uhr, und 31.10., 11 Uhr, Laeiszhalle. Karten unter T 0180/178 79 80 oder www.ndrticketshop.de