Unterricht auf dem Wasser

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Jörg Frenzel

Mit dem Projekt "team acht" fördern Lehranstalten wie die Gemeinschaftsschule Wedel den Nachwuchs

Wedel. Um die Konkurrenz mit Internet und PC-Spielen, TV-Vielfalt und den anderen Angeboten der modernen Medien- und Freizeitwelt zu bestehen, gehen Sportförderer neue Wege, um Kinder und Jugendliche an sportliche Aktivitäten heranführen. Mit dem Projekt "team acht - Schülersegeln Schleswig-Holstein" fördern Lehranstalten im Land den seglerischen Nachwuchs, auch die Gemeinschaftsschule Wedel ist mit Erfolg dabei.

"Treibgut" düst bei fast jedem Wetter über die Elbe. So heißt das Schiff, mit dem Schüler der Gemeinschaftsschule seit zwei Jahren die Wasserwelt zum Lernort der anderen Art machen. "Am Projektunterricht Segeln haben in dieser Zeit rund 50 Kinder und Jugendliche teilgenommen, und wir haben durchgehend positive Erfahrungen gemacht", sagte Lehrer Peter Wessel, der das Schülersegeln organisiert.

An drei Tagen pro Woche sind Crews mit acht Schülerinnen und Schülern, angeleitet durch Lehrer oder fachkundige Eltern, mit dem Boot unterwegs. Wessel: "Wir haben die Mannschaften gut gemischt - Anfänger sind ebenso dabei wie Schüler mit Erfahrung." Nicht nur bei leichten Winden wird geschippert, sondern auch schon mal bei Stärke acht. "Einige Schüler würden sich am liebsten zu Veranstaltungen wie der Kieler Woche anmelden, um Regatta zu fahren. Allerdings hat das Schiff kein Rating, sodass Vergleiche der sportlichen Ergebnisse nicht möglich sind", sagte Wessel. So bleibt es bei Wettfahrten wie den Mittwochsregatten des Blankeneser Segelclubs, die offen für Freizeitschiffer sind. Nach Wessels Angaben sind auf der "Treibgut" bereits diverse Anfänger auf den Geschmack gekommen und Sportvereinen beigetreten.

Aber das Projekt bietet mehr als Sport. "Segeln ist ein hervorragendes Integrationsinstrument für Schüler unterschiedlichen Leistungsvermögens. Es gibt Kinder und Jugendliche, die im normalen Unterricht Schwierigkeiten haben, ihr Potenzial abzurufen, an Bord aber aufblühen." Es gebe Kinder am Rande der Hyperaktivität, die mit Frontalunterricht Probleme haben, auf dem Schiff aber ihren Aktivitäten freien Lauf lassen können und Zusammenhänge schneller erkennen.

Rund um den Sport werden weitere Lerninhalte an die "Treibgut" angedockt, etwa ein theoretischer Teil mit Takeln, Spleißen und Seezeichen. Hinzu kommt die Entfaltung von handwerklichen Fähigkeiten bei der Bootswartung und -pflege. So steht auch der Besuch in einer Werft auf dem Programm, im Fach Techniklehre werden Bootsmodelle selbst gebaut.

Physikalische Zusammenhänge lassen sich über das Segeln erklären

Auch physikalische Zusammenhänge und mathematische Probleme lassen sich übers Segeln erklären - von der Kräftelehre bis zu Dreiecksberechnungen. Im naturwissenschaftlichen Teil beschäftigt sich eine Schülergruppe mit Gewässerkunde, während die andere segelt - nach einer Stunde wird getauscht. Im Deutschunterricht spinnen die Jüngeren "Seemannsgarn"-Aufsätze, im Fach Musik werden Shantys gelernt, in Kunst Seestücke kreiert.

Bei diesem Programm verwundert es nicht, dass die Nachfrage nach "Heuer" auf der "Treibgut" hoch ist. Da aus organisatorischen Gründen nicht unendlich viele Projektgruppen eingerichtet werden können, bieten Lehrer und Eltern auch reine Freizeittörns an - die Lehrer selbstverständlich, ohne sich dieses Engagement als Arbeitszeit anrechnen zu lassen. Demnächst wird eine weitere Schule aus dem Kreis an dem Projekt teilhaben. Wessel: "Um das Boot noch besser auszulasten, wird die IGS Thesdorf es ebenfalls nutzen."