Wenn die Zeit schäumt

NDR das neue werk porträtiert den Komponisten Gérard Grisey

Dieser Titel macht neugierig: "Die Zeit und der Schaum". Das klingt, als hätte man Martin Heideggers Ontologie mit einem Badezusatz gemischt. Doch "Le Temps et LÉcume", wie es im französischen Original heißt, ist ein Hauptwerk des Komponisten und Klangforschers Gérard Grisey. In seiner groß angelegten Studie reflektierte er über das Zeiterleben verschiedener Spezies.

Grisey unterschied die majestätische Ruhe der Wale, die quirlige Getriebenheit der Vögel und die Zeit der Menschen. Eine musikalische Geste, die vom Geräusch zum schimmernden Spektralklang übergeht, wird auf wenige Sekunden komprimiert oder über Minuten gedehnt. Die auskomponierte Schaumzeit für Kammerorchester, zwei Synthesizer und vier Schlagzeuger steht im Mittelpunkt der Werkschau, die die Reihe "NDR das neue werk" nun dem Klangfarbenkünstler sowie seinen Kollegen George Benjamin und Magnus Lindberg widmet.

Unter der Leitung von Pablo Heras-Casado spielen das NDR Sinfonieorchester und die Perkussionisten außerdem Griseys "Stele", Benjamins "Palimpsest" und Lindbergs "EXPO". Und wo die vier Schlagzeuger und ihre kuriosen Maracas, Mokubios und Waldteufel schon mal da sind, geben sie am späten Abend gleich noch ein reines Percussion-Konzert.

Klangkünstler 27.4., 20.00, Rolf-Liebermann-Studio. Karten unter T. 0180/178 79 80* oder www.ndrticketshop.de

( (ist) )