Der Dirigent, der aus der Kälte kam

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Der Grieche Teodor Currentzis zieht seine steile Karriere von Osten her auf

Nach dem Shootingstar Andris Nelsons, der im Februar beim NDR Sinfonieorchester zu Gast ist, gibt sich im April noch ein weiterer international gefragter Nachwuchsdirigent in Hamburg die Ehre: Der 1972 in Athen geborene Teodor Currentzis ist ein wahrhaft kosmopolitischer Künstler, der auf den berühmten Podien in Europa und Amerika genauso zu Hause ist wie in den Weiten Sibiriens. Von 2004 bis 2010 war Currentzis nämlich Chefdirigent am Opern- und Balletttheater Nowosibirsk und hat diese größte Musiktheaterbühne östlich des Urals überhaupt erst ins Bewusstsein hiesiger Kulturfreunde gehoben. Im vergangenen Jahr zog Currentzis dann etwa 2000 Kilometer weiter gen Westen - im Februar 2011 übernahm er die Leitung des Opernhauses in Perm.

Sein Engagement in der russischen Provinz hält ihn freilich nicht von Gastauftritten an einigen der führenden Bühnen in unseren Breiten ab: In Paris, Zürich, München und Baden-Baden ist Currentzis ein überaus gern gesehener Gast, und natürlich hat man auch am neu eröffneten Moskauer Bolschoi-Theater bereits ein Auge auf den russophilen Griechen geworfen. Der gründet - sozusagen nebenbei - Chöre und Spezialensembles, in denen er als ausgebildeter Geiger auch schon mal selbst mitspielt. Außerdem dürften nur wenige Dirigenten in einem Kinofilm die Hauptrolle übernommen haben: In dem Film "Dau" des Regisseurs Ilja Chraschanowski spielte Currentzis den Physik-Nobelpreisträger Lew Landau.

Nach Hamburg kommt er mit einem Programm, das neben dem berühmten Tonpoem "Der Schwan von Tuonela" von Jean Sibelius Werke der beiden Großmeister der russisch-sowjetischen Musikepoche umfasst: das witzig-doppelbödige 1. Klavierkonzert von Schostakowitsch, in dem eine solistisch entfesselte Trompete dem Pianisten immer wieder frech dazwischenbläst, sowie die groß angelegte 5. Sinfonie von Sergej Prokofjew, die 1944 im Hinblick auf das nahende Ende des Zweiten Weltkrieges entstand.

Abo-Konzert 19.4., 20.00, 22.4., 11.00, Laeiszhalle. Karten unter T. 0180/1787980* oder www.ndrticketshop.de

( (C.W.) )