Neapel braucht keine Enthüllungen

Verena Fischer-Zernin

"NDR Das Alte Werk" zeigt die aufregende Operngeschichte der Stadt

Neapel? Das ist doch die Stadt der drogensüchtigen Kinder, der Müllberge und der abgehängten Satellitenvorstädte! Angesichts dieses schlechten Rufs mag es schwer vorstellbar sein - aber es hat Zeiten gegeben, da war die süditalienische Metropole am Fuße des Vesuvs eine, wenn nicht gar die Hauptstadt der europäischen Oper. Und dafür müssen es auch nicht immer Countertenöre sein samt den genüsslich-anzüglichen, aber durchaus unbestätigten Berichten über deren Vorgänger, die Kastraten, und deren angeblich so exzessives Liebesleben.

Es geht auch seriöser. Dass Neapel auch ohne - ganz buchstäbliche - Enthüllungsliteratur jedes Interesse an seiner musikalischen Vergangenheit verdient, dafür treten der Dirigent Antonio Florio und sein Ensemble I Turchini in der Reihe "NDR Das Alte Werk" einen Beweis an, wie er aufregender und lebendiger nicht sein könnte: Mit einem halbszenisch aufgeführten Programm begeben sie sich auf die Spuren von Opera buffa und Opera seria. Die Sopranistin Valentina Varriale und der Tenor Pino de Vittorio schlüpfen in die unterschiedlichsten Rollen, getreu dem Motto des Abends "Angeli e demoni", zu Deutsch "Engel und Dämonen". Dass die Namen der Komponisten, bis auf Domenico Scarlatti, nur Eingeweihten etwas sagen dürften, sollte die Vorfreude nicht schmälern. Einen berufeneren Kenner der Materie kann man sich kaum wünschen: Florio musiziert nicht nur selbst, er arbeitet auch als Forscher in Neapel.

Angeli e demoni 28.2., 20.00, Laeiszhalle. Karten unter T. 0180/1787980* oder www.ndrticketshop.de