Wenn Russen zu sehr lieben

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Tschaikowskys Oper "Pique Dame" wird wieder aufgenommen

Ende schlecht, alles schlecht. Tschaikowskys "Pique Dame" beschert den Operngängern kein strahlendes Finale mit himmlischen Tönen und Hochzeitsglocken, sondern so ziemlich das Gegenteil: Lisa, die weibliche Hauptfigur, stürzt sich am Ende in die Fluten der Newa, Herman, der Offizier, wählt die Pistole. Bonsoir, Tristesse.

Als sich der Intendant der Petersburger Oper von Tschaikowsky ein neues Stück wünschte, fremdelte der Komponist zunächst mit dem Stoff von Puschkins "Pique Dame". Am meisten dürfte ihm eine echte Liebesgeschichte als Inspirationsquelle gefehlt haben. Deshalb gehört die Umdeutung der Figur Lisa in der Oper zu den gravierendsten Änderungen im Vergleich zu Puschkins Novelle: Gemeinsam mit seinem Bruder Modest, dem Librettisten, dichtete Tschaikowsky eine verhängnisvolle Beziehung zwischen dem verarmten Offizier Herman und der schwerreichen, standesgemäß unerreichbaren Adligen Lisa hinzu.

Je länger sich der Komponist mit der Vorlage beschäftigte, je tiefer er in die Handlung eintauchte, desto näher rückte ihm die männliche Hauptperson. Tschaikowsky empfand mehr und mehr Sympathie und Mitleid mit seinem Anti-Helden, dessen Hang zu Besessenheit und tiefer Melancholie er wohl von sich selber kannte.

In Willy Deckers Inszenierung der "Pique Dame" von 2003 - die der Kritiker von "Spiegel Online" als "Trumpf As" feierte - ist dieser trübe, unheilvolle Grundton von Anfang an zu spüren: Herman hält die Pistole, mit der er sich später das Leben nehmen wird, von Anfang an in der Hand und blickt seinem eigenen Wahnsinn auf einer großen Fotografie direkt in die Augen. Die ganze Szenerie ist von Grautönen dominiert und in ein kühles Licht getaucht. Brrrr.

In der Wiederaufnahme der Decker-Produktion singt Viktor Lutsiuk den Herman und Asmik Grigorian die Lisa, Lauri Vasar gibt den Fürsten Jeletzky. Am Ausgang der Oper werden sie aber auch nichts ändern können. Wer hier noch ein Happy End erwartet, ist selber schuld.

Pique Dame 8., 13., 16., 18. und 24.3., jeweils 19.00, Staatsoper. Karten unter T. 35 68 68

( (Stä) )