Wagners Heldin in Hamburg

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Marcus Stäbler

Die gefeierte Sopranistin Deborah Voigt zu Gast bei den Hamburger Symphonikern

Für das 5. Abokonzert mit seinen Hamburger Symphonikern hat Jeffrey Tate die Überschrift "Heroin in concert" ausgewählt. Das liest sich mehr als nur ein bisschen doppeldeutig. Einerseits verweist das Motto auf die weibliche Form des Helden, die Heroin (oder auch Heroine). Sie steht schließlich im Zentrum des Konzertprogramms: mit Wagners Brünnhilde, einer der stärksten Frauenfiguren der gesamten Opernliteratur. Die uneheliche, aber Lieblingstochter von Wotan trotzt dem Befehl ihres Vaters und wird dafür in einen Dornröschenschlaf versetzt, sie wird Siegfrieds Frau und beendet das Nibelungendrama, indem sie den schicksalhaften Ring nimmt und sich in die Flammen stürzt. Was für eine mutige, emanzipierte und kraftvolle Heldin!

Weltweit gibt es kaum mehr als ein Dutzend Sängerinnen, die diese Partie wirklich beherrschen. Zu ihnen gehört die Amerikanerin Deborah Voigt.

Und damit sind wir dann bei der zweiten Bedeutungsschicht des Konzertmottos angelangt: Auch Voigts Stimme kann süchtig machen wie eine Droge, nur ohne die schlimmen Begleitumstände.

"Ihre Stimme ist erdig und schimmernd zugleich - einfach herrlich!", jubelte die "New York Times" über die Sopranistin, die 1991 mit der Titelpartie in Richard Strauss' Oper "Ariadne auf Naxos" ihren Durchbruch feierte. Noch im selben Jahr folgte ihr Debüt an der New Yorker Met. Seither ist Deborah Voigt an nahezu allen wichtigen Häusern ein begehrter Gast. Beim Symphoniker-Konzert ist sie mit Brünnhildes Schlussgesang "Starke Scheite schichtet mir dort" zu erleben.

Wagners wild gewordene Walküre sorgt für den Untergang - dagegen schlägt Strawinskys Ballett "Apollon musagète" den umgekehrten Weg ein: Hier scharwenzelt der Gott Apoll mit den Musen der Poesie, des Tanzes und der Hymnen umher, bis er sie am Ende nach oben führt, auf das Parnass-Gebirge. Ob damals bewusstseinserweiternde Drogen im Spiel waren, ist nicht überliefert.

Heroin in concert, 18. und 19.2., jeweils 19.00, Laeiszhalle. Karten unter T. 44 02 98