Wogen der Leidenschaft

Silvia Azzoni tanzt "Die kleine Meerjungfrau"

Die Geschichte vom Wasserwesen, das sich in einen Menschen verliebt, gehört sicherlich zu den größten Erfolgen unter John Neumeiers großen Handlungsballetten. Auch dank seiner charismatischen, intensiv spielenden Ersten Solistin Silvia Azzoni in der Titelrolle als "Die kleine Meerjungfrau". Und des naturgewaltigen Tongemäldes, das Lera Auerbach für sinfonisches Orchester komponierte.

Zur Feier des 200. Geburtstags von Hans Christian Andersen hat Neumeier nach seiner "Undine" nochmals das Drama der Nixe zwischen Wasser- und Menschenwelt choreografiert.

Zunächst 2005 für das Königliche Dänische Ballett, dann zwei Jahre später für die Hamburger Compagnie. Sein Tanzmärchen erzählt von dem sich fremd fühlenden Geschöpf, das sich so sehnlich wünscht, zu sein wie die Erdenkinder, um dem geliebten Mann nahe zu sein. Neumeier spiegelt damit auch den biografischen Konflikt des dänischen Dichters; Andersen fühlte sich wegen seiner Homosexualität zeitlebens als Außenseiter.

Ein Märchen ist für Neumeier immer auch ein Mythos, der an individuellen Schicksalen beispielhaft den Gegensatz von Natur und Zivilisation reflektiert. Doch er stellt das bewegende Seelendrama der Meerjungfrau in den Mittelpunkt der blau schillernden Unterwasserwelt. Übrigens wurde die Aufführung des San Francisco Ballets mit Yuan Yuan Tan in der Titelrolle und Lloyd Riggins als Andersen verfilmt. Sie ist als DVD und Blu-ray-Disc erschienen und über www.hamburgballett.de erhältlich.

Die kleine Meerjungfrau 21., 25., 28.4., 9., 12.5. und 22.6., jeweils 19.30, Staatsoper. Karten unter T. 35 68 68

( (-itz) )