"In The Black Garden"

Tanz als totales Theater

"Meine Tanzstücke sind Angebote an den Zuschauer", postuliert Rami Be'er. Seit 1996 ist der israelische Choreograf der künstlerische Leiter der Kibbutz Contemporary Dance Company (KCDC). Bei Movimentos 2006 war er erstmals Gast in der Autostadt. Diesmal bringt Be'er eine Neufassung seiner zur 60-Jahr-Feier von Israel entstandenen Choreografie "60 Hz". Sie knistert und pulsiert vor "Elektrizität", handelt von der Dynamik und Energie im Zyklus des Lebens.

Als Koproduktion mit den Movimentos-Festwochen entstand die Uraufführung "In The Black Garden". Das neue Stück entspringt wie sein international gefragtes Oeuvre von über 40 Choreografien ebenfalls dem Lebensumfeld des Künstlers. Es gründet auf seinen individuell existenziellen wie auch politisch-sozialen Erfahrungen von Konflikt und Krieg - ohne sich direkt darauf zu beziehen.

"Der dunkle Garten kann für jeden Zuschauer etwas anderes bedeuten", sagt Be'er. "Er ist als Person aufgefordert, sich ein eigenes Stück durch seine Assoziationen, Erinnerungen, Gedanken und Gefühle zu erschaffen." Der Choreograf hat zweifellos sehr genaue Vorstellungen von seinen Absichten, möchte sie aber nicht erklären: "Es würde doch nur die vielen Möglichkeiten der Interpretation beschränken." Seine Tanzstücke sollen für sich selbst sprechen, betont Be'er. "Ich meine nicht nur Körper und Bewegung im Raum, sondern auch die Musik, das Licht, die Kostüme, das Bühnenbild, die Texte und Videokunst. Alles in der Gesamtheit ergibt die Komposition eines Stückes." Er versteht seine Choreografien als totales Theater. Als ein Gesamtkunstwerk.

Rami Be'er wurde im Kibbutz Ga'aton in Westgaliläa nahe der Libanon-Grenze geboren - hinein in eine Wiege der israelischen Tanzkunst. Yehudit Arnon, Überlebende des Holocaust, gründete hier die KCDC, wo der Sohn einer Musikerfamilie in ihre tänzerische Schule ging und seit 1980 zum Ensemble gehört. Er hat ein charakteristisches Modern-Dance-Idiom aus seinen Bewegungsrecherchen entwickelt. "Klassisches Training ist nur ein Werkzeug, nicht das Ziel", sagt er. "Ich arbeite mit dem Fluss der Bewegung, benutze die Schwerkraft und lasse mich von Einflüssen vom Streetdance bis zum Volkstanz inspirieren." Und von den starken, unterschiedlichen Persönlichkeiten seiner technisch exzellenten Tänzer. "Sie sind das Herz und die Seele meiner Stücke."

Kibbutz Contemporary Dance Company: In The Black Garden/ 60Hz 29./30.4., 1.5., jeweils 20 Uhr; 2.5., 18 Uhr, KraftWerk.