Wie Jugendlichen Tugenden hautnah vermittelt werden

"Disziplin und Verlässlichkeit sind cool" (Teil II)

Vlady Repkin (16) hat auf der Bühne seinen Mann gestanden und Pawel Szalski (14) war an einer Kunstausstellung beteiligt.

Eben noch stand er auf der Bühne im "Fraenkelschool Musical", und schon bekocht Vladyslav Repkin, der kurz Vlady genannt wird, die Gäste des Restaurants Wandrahm in der HafenCity. Der 16-Jährige kann mit sich zufrieden sein. Er hat schon einiges in seinem Leben erreicht. Gerade hat er seinen Hauptschulabschluss in der Tasche und peilt schon das nächste Ziel an. Vlady möchte Koch werden. "Ich probiere gern neue Gerichte aus und koche auch privat jeden Tag", erzählt der junge Mann mit den vielen Talenten. Singen und tanzen gehören auch dazu. Sein darstellerisches Talent brachte ihn sogar schon zum Hamburger Schauspielhaus, wo er bei dem Schülerprojekt "Herr der Fliegen" mitgespielt hat. Die produktive Zusammenarbeit mit Regisseur Daniel Wahl machte diesen zu einer Art Leitfigur für ihn, der bis zu seinem 15. Lebensjahr ohne Vater aufgewachsen ist. "Man hat bei den Proben zu "Herr der Fliegen" zusammen viel gelernt, zum Beispiel Pünktlichkeit und Teamarbeit", sagt Vlady. Ebenfalls mitgespielt hat er in dem Stück "Ein Sommernachtstraum", das genauso wie der "Herr der Fliegen" auf Initiative des Vereins "Werte erleben" zustande kam. Es war an neun Hamburger Schulen zu sehen. Früher habe er Schauspieler werden wollen, verrät Vlady, dessen Lieblingsfächer Englisch, Chemie und Physik waren. Aber der Beruf sei ihm "nicht sicher genug". Deshalb entschied er sich für die Ausbildung zum Koch. Ein Schnupperpraktikum im Restaurant Wandrahm hat er bereits erfolgreich hinter sich gebracht - da konnte er viele verschiedene Gerichte zubereiten, zum Beispiel so etwas Ausgefallenes wie Polenta mit Zucchinipüree. "Immer wieder etwas Neues ausprobieren und sich Gerichte überlegen, das macht mir Spaß", sagt Vlady. In seiner Freizeit spielt er Basketball und macht Musik mit seinem Keyboard. An die Theaterproben zu "Herr der Fliegen" und "Ein Sommernachtstraum" denkt er gern zurück. "Ich habe viel über mein Leben und über meine Berufswünsche nachgedacht. Heute gehe ich außerdem offener auf Menschen zu und sage meine Meinung. Ich bin selbstbewusster geworden", bekennt der junge Mann.

Das trifft auch auf Pawel Szalski zu. Der 14-Jährige, der vor drei Jahren mit seinem jüngeren Bruder und seiner Mutter zusammen aus Polen nach Hamburg kam, hat seitdem einen großen Entwicklungssprung gemacht - und er hat Deutsch als eine Fremdsprache völlig neu lernen müssen. "Mit meiner Mutter, die mich in Polen zusammen mit meiner Oma erzogen hat, spreche ich zu Hause polnisch, mit meinem Vater deutsch", erzählt Pawel, der zugibt, dass ihm die fremde Sprache zunächst schwer fiel. Und auch die neue Umgebung sei ungewohnt für ihn gewesen. Heute kommt er in der achten Klasse der Fraenkelschule gut zurecht. "Wir sind eine bunt gemischte Klasse mit vielen verschiedenen Nationalitäten, die sich gut verstehen."

Pawel hat bei dem Kunstprojekt "Mut" mitgemacht. Er hat die kreative Arbeit sehr genossen und malt auch heute noch öfter auf seinem Skizzenblock. "Wir haben leider an der Schule keinen Kunstunterricht", sagt Pawel. In seiner Klasse sei er der Einzige, der das Projekt bis zum Ende durchgehalten habe, berichtet er stolz. Alle anderen Mitschüler hätten vorher aus unterschiedliche Gründen aufgegeben. Die Arbeit in den Projektgruppen habe ihm viel Spaß gemacht, vor allem dass man seine Ideen sagen konnte und gemeinsam neue Wege ausprobiert hat. "Wir haben Probleme ausdiskutiert und uns auch dabei richtig gut kennengelernt." Auch einige Freundschaften seien während dieser Zeit entstanden. Und noch eine wichtige Erkenntnis hat Pawel bei dem gemeinsamen Kunstprojekt gewonnen. "Mutig sein heißt für mich, seine Meinung zu sagen - auch wenn man schüchtern ist. Und dazu zu stehen, wie man sein will - auch bei der Wahl seiner Kleidung." Pawel kann sich vorstellen, später Grafikdesigner zu werden, aber auch eine kaufmännische Berufslaufbahn schließt er nicht aus. Der junge Mann, der noch vor drei Jahren in der Schule kaum etwas auf Deutsch zu sagen wagte, möchte zunächst weiter zur Schule gehen und sein Abitur machen.