Hamburger Kunsthalle

Sigmar Polke: Kunst und Kleinbürgerum

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Seinen Ruf hatte sich Sigmar Polke bereits als junger Künstler in den 60er-Jahren erworben. Ab den 1980er-Jahren avancierte er neben Richter und Baselitz zu einem der großen deutschen Maler.

Wie ein weißer Fleck muten bislang die 70er-Jahre im Werk des Künstlers an, die Zeit, die von der "Parodie zur Alchemie" überführt.

Mit der auf zehn Monate und in drei Phasen ausgelegten Schau "Wir Kleinbürger" schafft die Kunsthalle hier Abhilfe. In ihrem Mittelpunkt steht der gleichnamige Zyklus Polkes, umrahmt von Dokumenten und Arbeiten seiner künstlerischen Mitstreiter in dieser Zeit.

Mit zahlreichen Reisen, unter anderem nach Pakistan und Sizilien bewegte sich Polke fern der klassischen Künstlerrouten. Auch sein Domizil lag abseits der Kunstmetropolen. Eine Zeit lang lebte er auf dem niederrheinischen Gaspelshof bei Willich. Nicht solo in stadtflüchtiger Abgeschiedenheit, vielmehr umgeben von befreundeten Künstlern, unter ihnen Achim Duchow, Katharina Sieverding und Candida Höfer. In "anarchischer Planlosigkeit" wurde zusammengearbeitet, und künstlerische Autorschaft stand dabei nicht im Vordergrund. Polkes Autorschaft für die zehnteilige Werkgruppe "Wir Kleinbürger - Zeitgenossen und Zeitgenossinnen" (1974-1976) ist verbürgt. Mit dem Titel bezieht sich Polke unter anderem auf Hans Magnus Enzensbergers Essay über die Unaufhaltsamkeit des Kleinbürgertums aus dem Jahre 1976. Enzensberger formuliert in ihm die von alternativem Wunschdenken oft geleugnete Beziehung zwischen Kleinbürgertum und Künstlertum.

Auch Polke scheint dies zunächst zu bestätigen, indem er unter dem Titel scheinbar subversive Zeichen setzt - ein Baumhaus als Domizil des Gesellschafts-Aussteigers. Er schweißt die Lager zusammen, indem er unter anderem Comics integriert und eine Melange aus unterschiedlichen Medien erzeugt. Seine Kleinbürger zeigen Polke als Exzentriker zwischen den Fronten, der malerisch und inhaltlich viel auf die Spitze treibt, statt sich in Lagerdenken zu verfangen. Die Ausstellung wird ermöglicht durch die Susanne & Michael Liebelt-Stiftung. (wj)

Sigmar Polke. Wir Kleinbürger! Zeitgenossen und Zeitgenossinnen . Teil 1: Clique, bis 28.6., Teil 2: Pop, 12.7. bis 4.10., Teil 3: Politik, 16.10. bis 31.1.2010, Kunsthalle.

( (wj) )