Musikalischer Eigenwille

Zwei Publikumslieblinge hat das NDR Sinfonieorchester für sein Konzert mit dem dänischen Dirigenten Thomas Dausgaard aufs Programm gesetzt: Antonín...

Zwei Publikumslieblinge hat das NDR Sinfonieorchester für sein Konzert mit dem dänischen Dirigenten Thomas Dausgaard aufs Programm gesetzt: Antonín Dvoraks Scherzo capriccioso in Des-Dur und Jean Sibelius' Zweite Sinfonie, beide von überbordendem Melodien- und Farbenreichtum.

Dausgaard hat allerdings als Chef des Danish National Symphony Orchestra bewiesen, dass er tiefer schürft: Mit beharrlicher Entwicklungsarbeit hat er das Orchester auf internationales Niveau gebracht und wird für seine dynamischen und zugleich tiefsinnigen Interpretationen weltweit gefeiert.

In Hamburg trifft Dausgaard auf die nicht weniger entschlossene Geigerin Viviane Hagner. Erst 32 Jahre ist sie alt, oder besser, schon 32 Jahre - hat sie doch ihre Karriere als Wunderkind begonnen. Das hat sie unbeschädigt überstanden und sich in jungen Jahren zu einer erstaunlich reifen Künstlerin entwickelt. Gerne bewegt sie sich abseits des Hochglanzrepertoires, gräbt Vergessenes und Unentdecktes aus und setzt sich für die Neue Musik ein.

Mit dem NDR Sinfonieorchester spielt sie das zweite Violinkonzert von Sergej Prokofjew. Es entstand 1935, kurz bevor er aus der Pariser Emigration nach Moskau zurückkehrte. In dieser Zeit vereinfachte er, wie von der sowjetischen Ästhetik verordnet, seinen Kompositionsstil. So bildet das Werk einen Kontrapunkt zur spätromantischen Üppigkeit eines Dvorak und Sibelius.


Abo-Konzert 5.6., 20 Uhr, Laeiszhalle