Wenzel-Hablik-Museum

Elisabeth Lindemann: Würdigung einer Künstlerin

Begabt, eigenständig, erfolgreich, geschäftstüchtig - von einer Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden sicher andere Eigenschaften erwartet.

Begabt, eigenständig, erfolgreich, geschäftstüchtig - von einer Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden sicher andere Eigenschaften erwartet. Zumal wenn sie auf dem Lande geboren und einfacher Herkunft war. Dennoch erarbeitete sich Elisabeth Lindemann (1879-1960) internationale Anerkennung. Ihre Teppiche, Möbelstoffe oder Gobelins fanden Absatz in der Schweiz, Belgien, Frankreich, Holland und sogar in Amerika.

In diesem Jahr wäre die Webmeisterin und Ehefrau des Künstlers Wenzel Hablik 130 Jahre alt geworden. Anlass für das Wenzel-Hablik-Museum in Itzehoe, ihr eine umfangreiche Ausstellung mit dem Titel "Elisabeth Lindemann. Verwoben. Eine Handweberin in Schleswig-Holstein" zu widmen. Die Schau würdigt mit Entwürfen, Textilien und Fotografien das Lebenswerk dieser erfindungsreichen Frau.

Elisabeth Lindemann wird 1897 als älteste Tochter eines angesehenen Hof- und Wassermühlenbesitzers in Dithmarschen geboren. In Dresden erhält sie ab 1898 ihre Ausbildung zur Musterzeichnerin und wird Meisterschülerin bei dem Maler Erich Kleinhempel. Kurz darauf erhält sie den Auftrag vom Süderdithmarscher Landrat, die Leitung einer Webschule in Meldorf zu übernehmen, um das aussterbende Handwerk nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Für mehrere Monate geht die 22-Jährige nun nach Schweden, um in einer Stockholmer Webschule die nötigen Techniken zu erlernen.

Die Weberin interessiert sich sowohl für technischen wie für künstlerischen Fortschritt, und als sie 1907 Wenzel Hablik kennenlernt, stellt sie vermehrt Stoffe, Teppiche, Kissen und Wandbehänge nach seinen Entwürfen her. Es bleibt nicht bei einem beruflichen Kontakt: Nach der Heirat mit Wenzel Hablik 1917 verlegt sie die Weberei nach Itzehoe. Das Unternehmen prosperiert. Zeitweise beschäftigt Elisabeth Lindemann mehr als 50 Mitarbeiter. Als ihr Mann im Jahre 1934 stirbt, führt sie die Handweberei Hablik Lindemann erfolgreich fort. Neben ihrer künstlerischen Leistung gilt sie als eine der Vorreiterinnen, die Frauen Berufsfreiheit und Selbstständigkeit erkämpft haben.


Elisabeth Lindemann. Verwoben. Eine Handweberin in Schleswig-Holstein 29.3. bis 7.6., Di-Fr 14-17, Sa 14-18, So 11-18 Uhr, Wenzel-Hablik-Museum, Reichenstraße 21, 25524 Itzehoe.

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