Familienzeit

So macht man Lust auf Leistung

Lesedauer: 5 Minuten
Ann-Britt Petersen

Kinder sind vielen Erwartungen ausgesetzt. Tipps, wie Eltern sie unterstützen können, ohne sie zu überfordern

Ob in der Schule, im Sportverein oder im Geigenunterricht, Kinder sollen und wollen etwas lernen. Sie wollen ihre Sache gut machen, und letztlich stolz auf ihre Leistung sein. Doch manchmal hapert es mit der Motivation und dem Erfolg. Wie Eltern ihre Sprösslinge bei den verschiedenen Leistungsanforderungen unterstützen können, wie sie mit Misserfolgen umgehen und wann Leistung Spaß macht, beantwortet der Diplom-Psychologe Christoph Haberer von der evangelischen Beratungsstelle Stormarn.

1. Was treibt ein Kind zur Leistung an?

Christoph Haberer:

Kinder fangen schon ganz früh an, auf Reize in einer Weise zu reagieren, die sie sich als handlungsfähig erleben lassen. Schon ein Baby versucht, auf dem Bauch vorwärts zu robben, um den vor ihm liegenden Bauklotz zu greifen.Wenn es das geschafft hat, ist es glücklich. Viele solcher guten Erfahrungen machen Lust auf weitere.

2. Leistung kann also auch Spaß machen?

Haberer:

Leistung ist sachlich betrachtet das Erreichen eines beabsichtigten Handlungsziels, mit dem Einsatz von Energie. Aber Leistung hängt auch von der Motivation ab. Und die entsteht aus dem Gefühl, ich kann mit meinen Mitteln etwas erreichen.

3. Wie kann man sein Kind auf diesem Weg unterstützen?

Haberer:

Mit kleinen Aufgaben, die das Kind bewältigen kann. Damit wird nicht nur Erfahrung sondern auch die Lust darauf angeregt. Zudem ist Lob in jedem Alter wichtig. Doch es sollte differenziert ausgesprochen werden. Hat das Kind ein Bild gemalt, reicht die allgemeine Aussage 'das ist aber ein schönes Bild' nicht aus. Es motiviert viel mehr, wenn Eltern für konkrete Anstrengungen loben, wie etwa, 'da hast du die Farben besonders gut ausgesucht' oder 'an der Stelle hast du dir besonders viel Mühe gegeben.'

4. Ab welchem Alter entwickeln Kinder ein Gefühl für ihre Leistung?

Haberer:

Das können sie im Alter von viereinhalb und fünf Jahren bereits einschätzen. Wenn sie dann ein positives Selbstwertgefühl entwickelt haben, und wissen 'ich kann was', werden sie sich auch in der Schule etwas zutrauen. Zu den neuen Herausforderungen in der Grundschule kommt auch der soziale Vergleich. Die Kinder müssen aushalten lernen, wenn etwa jemand besser ist, als sie selbst. Wer da mit einer guten Grundhaltung gewappnet ist, gibt nicht so schnell auf.

5. Wie sollten Eltern mit Misserfolgen ihrer Kinder umgehen?

Haberer:

Wenn das Kind beispielsweise mit einer schlechten Note nach Hause kommt, sollten die Eltern nicht mit Sätzen reagieren, wie, 'Du bist zu faul, Du musst Dich mehr anstrengen'. Über eine schlechte Note ärgert sich ja auch das Kind. Eltern sollten ihm zeigen, dass es auch bei einem Misserfolg ihre Unterstützung hat und gemeinsam überlegen, woran es gelegen haben könnte.

6. Wo kann man im Einzelnen helfen?

Haberer:

Bei einem schlechten Ergebnis erst einmal genau hinsehen, lag es an der Lerntechnik oder hat das Kind nicht richtig aufgepasst oder das Ganze zu leicht genommen und deshalb zu wenig gelernt? Bei anhaltendem Misserfolg sollte man es fragen, wo es Hilfe braucht. Auch das Gespräch mit dem Lehrer ist empfehlenswert.

7. Wie bleibt ein Kind leistungsstark?

Haberer:

Selbst wenn es zufriedenstellend arbeitet und immer gute Noten schreibt, ist das nicht selbstverständlich. Es ist eine Leistung, die immer wieder Anerkennung braucht. Ebenso wie die Verbesserung von der Note Vier auf eine Drei. Den Stolz darauf sollten Eltern mit Kindern teilen.

8. Ein wenig Druck dürfen Eltern aber schon ausüben?

Haberer:

Man sollte schon klar stellen. Ich gehe zur Arbeit und dein Job ist die Schule. Das heißt also, schon deutlich zu machen, dass Schule etwas Ernstes ist und das man erwartet, dass das Kind sich Mühe gibt. Auch die Regeln sollten klar sein: Hausaufgaben machen, Arbeiten zeigen. Aber es darf auch Ausnahmen geben. Wenn zum Beispiel alle anderen auf dem Fußballplatz verabredet sind, dann kann man auch Vereinbarungen treffen und etwa die Zeit für Hausaufgaben später einplanen. Wenn das klappt, kann man das wiederholen, wenn nicht, dann bleibt es die Ausnahme.

9. Wie viel Unterstützung brauchen Jugendliche noch?

Haberer:

Grundsätzlich gilt, sich immer für das zu interessieren, was Kinder oder Jugendliche von der Schule erzählen. Das können auch soziale Themen aus dem Klassenalltag sein. Wenn Eltern zeigen, 'das ist mir nicht egal', verstärken sie den Draht zu ihrem Nachwuchs. Das Interesse für die Schulleistungen und wie sie verbessert werden könnten, sollte bis in die oberen Klassen bestehen. Doch unabhängig vom Alter gilt: Noten sagen nichts über den Wert der Person aus. Die Fähigkeiten eines Kindes sollten daher nie allein auf Noten reduziert werden.