Querbeet

Quer gedacht

Lesedauer: 2 Minuten

mit Johann Hinrich Claussen über Hunde-Buggys und weitere Auswüchse der Konsum-Gesellschaft

Man muss nicht alles verstehen. Wundern darf man sich aber manchmal schon. Zum Beispiel, wenn einen die - mit Ephraim Kishon zu sprechen - "beste Ehefrau von allen" auf ein Phänomen hinweist, dessen Möglichkeit man nicht für möglich gehalten hätte. Nämlicher Ehefrau nämlich hatten Freundinnen von einem unglaublichen Konsumgegenstand erzählt. Zum Glück kann man ja fast alles, was zu glauben schwer fällt, im Internet überprüfen. So braucht man nur der Suchbegriff "Hunde-Buggy" einzugeben. Und schon öffnet sich die Tür zu einer wundersamen Produktwelt: Kinderwagen für Hunde in vielen Formen, Farben und Preisklassen. Mit Luft- und Profilreifen, Sonnendächern und Gitternetzen für die optimale Belüftung, mit Haken zum Aufhängen der Hundeleine und Bremsen aller Art. Nur eine Halterung für den unvermeidlichen Coffe-to-go-Becher fehlt noch. Dafür gibt es exquisites Design, aber auch robuste Varianten zum Joggen. Selbst wer einen Hund mit Übergröße besitzt, wird fündig. Irritierend ist nur, dass die meisten Hundewagen - der Fachmann spricht weltmännisch von "Pet-Strollern" - hinten Katzenaugen haben.

Wenn man selbst tier-fern aufgewachsen ist und noch heute lebt, kann man sich darüber wundern. Natürlich fallen einem Gründe ein, weshalb es so etwas gibt: Auch Hunde werden krank und lahm. Aber so schnell möchte man sich nicht von der Vorstellung verabschieden, dass ein Hund zum Gassi-Gehen und nicht zum Gassi-Schieben da ist. Und wenn die Werbung behauptet, solche Wagen wären ideal, wenn man ängstliche Hunde in Fußgängerzonen und zu Massenveranstaltungen mitnehmen möchte, fragt man sich, ob Tiere dort überhaupt etwas zu suchen haben. So wird einem wieder klar, dass der Konsum-Kapitalismus, in dem wir alle leben und arbeiten, nicht die rationalste Wirtschaftsform ist. Dabei sind Hunde-Buggys noch gar nicht das Ende der Fahnenstange. Weiter oben befinden sich die Tragetücher für Welpen. Allen Besitzern von neu geborenen, mobilitätsbeschränkten oder psychisch labilen Hunden wünsche ich viel Gutes. Noch mehr aber wünsche ich den Kindern, für die der Buggy und das Tragetuch ursprünglich erfunden wurden, dass sie nicht wie Hunde behandelt werden.