Spitzennachwuchs fördern

David Aaron Carpenter bekommt den Bernstein Award

Die Förderung junger Musiker war schon immer eine wichtige Säule des Schleswig-Holstein Musik Festivals: Orchester- und Chorakademien sowie die Meisterkurse sind fester Bestandteil des norddeutschen Musiksommers. Das Sahnehäubchen auf den musikpädagogischen Initiativen des Festivals aber ist der mit 10 000 EUR dotierte Leonard Bernstein Award für Nachwuchsmusiker.

Gestiftet wird der Preis von der Sparkassen-Finanzgruppe, die damit ein "deutliches Signal im Bereich der Talentförderung" setzen möchte. Doch eigentlich sind Begriffe wie "Talent" und "Nachwuchs" pures Understatement. Denn die Liste der Träger des in diesem Jahr zum zehnten Mal verliehenen Preises ist ausgesprochen illuster: Lang Lang erhielt ihn 2002 als Erster; es folgten u. a. der Schlagzeuger Martin Grubinger und die Pianisten Anna Vinnitskaya und Kit Armstrong. So ist der Preis mehr ein Ritterschlag für junge Musiker, die schon an der Schwelle zum internationalen Durchbruch stehen.

Dies gilt nach Meinung der Jury, der Christoph Eschenbach, Jamie und Alexander Bernstein, Zarin Metha und Rolf Beck angehören, auch für den Preisträger 2011: den US-amerikanischen Bratscher David Aaron Carpenter. "Seit vielen, vielen, vielen Jahren habe ich nicht mehr ein so phänomenales Talent wie David Aaron Carpenter erlebt. Er vereint grenzenlosen Ideenreichtum mit atemberaubender Technik. Mit ihm gemeinsam zu musizieren ist eine wahre Freude." Das sagte sein Mentor Christoph Eschenbach über den 1986 geborenen New Yorker.

Carpenter begann mit sechs Jahren Violine und mit elf Jahren Bratsche zu spielen. Erst mit 16 entschloss er sich ganz für die Viola. Unter seinen Lehren finden sich große Geiger wie Pinchas Zukerman, aber vor allem jene Virtuosen, die unsere Vorstellung von den Möglichkeiten der lange Zeit nur bespöttelten Armgeige grundlegend gewandelt haben: Yuri Bashmet und Nobuko Imai. Deren Vorbild folgend hat auch Carpenter inzwischen für sein Instrument neues Repertoire erobert: Seine Einspielung der Violafassung des Cellokonzertes von Edward Elgar wurde mit dem Editor's Choice Award der Zeitschrift "Grammophone" geehrt.

Wer sich selber ein Bild von Carpenters Kunst machen will, kann dies beim Preisträgerkonzert des Bernstein Awards in Lübeck (27.8.) oder beim Abschlusskonzert in Kiel am 28. August tun. Zusammen mit dem NDR Sinfonieorchester unter seinem Ex-Chef Christoph Eschenbach wird Carpenter dann Belá Bartóks Violakonzert Sz 120 spielen. Neben seiner Ouvertüre "Karneval" steht außerdem das Hauptwerk von Antonin Dvoráks "amerikanischer Periode" auf dem Programm: die Neunte Sinfonie "Aus der neuen Welt".