Dionysische Grausamkeiten

Peter Ruzicka dirigiert die Uraufführung seines Oboenkonzerts "Aulodie"

Glaubt man der griechischen Mythologie, ist der Aulos ein wahrhaft furchtbares Instrument: Die Göttin Athene soll es erfunden haben, um den Klagegesang der schrecklichen Gorgonen zu imitieren. Als sie merkte, dass das Hineinblasen ihr Gesicht entstellt, warf die Göttin das Instrument fort. Der Satyr Marsyas hob es auf und brachte es zu solcher Virtuosität auf der "Röhre", dass er Apollon bei einem Musiker-Wettstreit an die Wand spielte. Dafür ließ der eifersüchtige Gott der Künste den talentierten Naturburschen bei lebendigem Leibe häuten.

Es sind tiefe, dionysische Leidenschaft und Grausamkeiten, die die griechische Mythologie mit dem Klang des Aulos verbindet. Peter Ruzicka, dem Hamburger Publikum noch wohlbekannt aus seiner Zeit als Intendant der Staatsoper, hat für den Solo-Oboisten der Berliner Philharmoniker, Albrecht Mayer, ein Oboen-Konzert mit dem Titel "Aulodie" geschrieben, das diese Abgründe spiegelt. Der Komponist schreibt zu seinem neuen, vom Schleswig-Holstein Musik Festival in Auftrag gegebenen Stück: ",Aulos' war jenes altgriechische Instrument, das bei besonderen Anlässen erklang: als kämpferisches Arbeitslied, Totenklage, Hochzeitsmusik, Waffentanz oder bei Satyrspielen, die bis zu wilder Raserei gingen. Auch in der ,Aulodie' bestimmen emotionale Grenzsituationen die sieben Szenen der Komposition. (...).,Aulodie' mag als mein vielleicht ,romanhaftestes' Werk gelten."

Für die Uraufführung wird Ruzicka das Schleswig-Holstein Festival Orchester höchstpersönlich leiten.

Metamorphosen 5.8. Salzau, 7.8. Hamburg