Wenn die Klarinette juchzt

Selim Sesler spielt anatolische Hochzeitsmusik

Istanbul birst zurzeit förmlich vor Schaffensdrang, Balkanbeats und Ottomanie befeuern mittlerweile viele Tanzböden im Westen, in einer Mischung aus traditionell und modern. Würde man in Deutschland zu einem Mix aus "Zum Tanze da geht ein Mädel" und Trip-Hop-Rhythmen tanzen?

Eine Folge der Reformen von Kemal Atatürk war, dass in der Türkei westliche Musik und deren Instrumente Einzug hielten. In Selim Seslers Familie wurde über Generationen die traditionelle Kegeloboe gespielt. Sesler aber entschied sich in den 60er-Jahren für die westliche Klarinette. Damit spielte er als Halbwüchsiger bei Hochzeiten und Festen in und um Edirne, in den 80er-Jahren mit Roma-Musikern in Istanbul. Auf solchen Festivitäten kann man sich keine Allüren leisten - es gilt ein Publikum zu erreichen und zu überzeugen. Kein Wunder, dass Sesler so intensiv spielt. Da klappern die Klappen, Sesler wringt sein Instrument förmlich aus, legt sich in die Kurven der ungeraden Metren und schäumenden Rhythmen. Nachdem Regisseur Fatih Akin den Klarinettisten in seiner Musikdoku "Crossing the Bridge" porträtiert hatte, konnte der seine CD "Anatolian Wedding" auch in Deutschland herausbringen. Bei seinen SHMF-Konzerten zeigt der "Magier der Klarinette", dass handgemachte Musik locker mit der Neuzeit mithält.

Magier der Klarinette 16.8. Kiel-Molfsee, 17.8. Wyk, 18.8. Hohenlockstedt, 19.8. Hamburg, 21.8. Bordesholm