Die Entdeckung der Kakao-Bohne

Die Ausstellung Süße Verlockung liefert Einblicke in die Geschichte und Produktion zuckriger Genüsse

Bei dem Gedanken an eine Schachtel zart schmelzender Pralinen, ein Stück Torte oder eine Tasse duftenden Kakaos läuft uns das Wasser im Mund zusammen. Süßes verspricht gute Laune und Wohlgefühl. Kaum ein Lebensmittel heute, das nicht mit Zucker versetzt wäre. Doch was die menschliche Zungenspitze auf so angenehme Weise reizt, war noch vor ein paar Generationen ein Luxusartikel, den sich nur wenige Reiche leisten konnten. Einblicke in die Welt der süßen Verführungen gewährt eine Ausstellung im Freilichtmuseum. Exponate aus fünf Jahrhunderten erzählen von der Geschichte des Zuckers und der historischen Vielfalt süßer Produkte.

Die ältesten Belege für Zuckerrohr reichen zurück bis ins 8. Jahrtausend v. Chr. Seit dem 16. Jahrhundert wurde Zucker vor allem in Südamerika auf Plantagen angebaut. Das "weiße Gold" gelangte über den beschwerlichen Seeweg nach Europa. Bevor in der Mitte des 18. Jahrhunderts Zucker aus Rüben gewonnen werden konnte, war Honig der gängige Süßstoff.

Mit der Industrialisierung und dem Aufschwung der Zuckerrübenindustrie wurde Zucker für alle Bevölkerungsschichten erschwinglich. Neue Produkte und Modegetränke wie Kakao, Kaffee und Tee entstanden. Die Substanzen galten ursprünglich als Heilmittel zur Stärkung von Patienten. Erst durch den Zusatz von Zucker wurde aus bitter schmeckender Medizin ein Genussmittel. Eine ausgeklügelte Vermarktung der süßen Leckereien folgte. Einprägsame Namen, originelle Werbefilme machten Produkte wie Coca-Cola oder Sarotti-Schokolade weltweit bekannt.

Ein Highlight der Ausstellung ist der Verkaufswagen des ersten und letzten Schmiereisverkäufers aus Harburg. Hugo Trappiel bereitete in den 40er-Jahren sein Eis aus Trockenmilch, Aromen und Lebensmittelfarbe zu und trug es mit einem Spachtel auf Pergamentpapier auf. Das Freilichtmuseum hat ein vielfältiges Aktionsprogramm für Jung und Alt zusammengestellt.

Kinder erfahren, warum Schokolade so schön knackt und trotzdem im Mund schmilzt. Sie erforschen sie mit allen Sinnen, lernen etwas über Qualitätsunterschiede und stellen sogar selbst Pralinen her. In den Schulklassenprogrammen "Schokoladen-Schau" (ab 1. Klasse) und "Zucker-Zirkus" (ab 3. Klasse) gehen sie dem Süßen praktisch nach und stellen Leckereien selbst her (Anmeldung unter T. 790 17 60 oder besucherservice@kiekeberg-museum. de). Die Führungen für Erwachsene können auch mit einem Backkursus kombiniert werden.

Beim Käse- und Genussmarkt am Sonntag, 9. Mai bieten regionale Betriebe den Besuchern Produkte an: Schokolade, Nudeln, Marmelade, Säfte, Wein, Fleisch- und Wurstwaren. Beim Imkertag am 1. August präsentieren Fachleute klassische Korbimkerei und heutige Handwerksmethoden. Natürlich gibt es jede Menge Leckereien zu verkosten.

Süße Verlockung: Von Zucker, Schokolade und anderen Genüssen Freilichtmuseum am Kiekeberg, Am Kiekeberg 1, 21224 Rosengarten-Ehestorf, T. 040/790 17 60, März bis Oktober Di-Fr 9-17 Uhr, Sa-So 10-18 Uhr, November bis Februar Di-So 10-16 Uhr, Vortrag: "Zuckerhandel und Zuckerfabriken im Norddeutschland des 18. Jahrhunderts", 17.6, 18.30 Uhr, Tanzsaal der Museumsbrennerei, Eintritt frei