Praxistest

Nissan Micra: Wo dieser Kleine durchaus Größe zeigt

Lesedauer: 3 Minuten
Georg J. Schulz
Der Nissan Micra in zwei Versionen.

Der Nissan Micra in zwei Versionen.

Foto: Nissan

Fahrtenbuch: Ein Stadtauto, das auch die Autobahn nicht scheuen muss – unterwegs im Nissan Micra

Hamburg. Wer an ein neues Auto denkt, dekliniert in der Regel zunächst einmal jene Marken und Modelle durch, die einem vom Namen her bekannt sind. In der Klasse der Kleinwagen fallen dann Begriffe wie VW Polo, Ford Fiesta, Opel Corsa, vielleicht auch Renault Clio oder Peugeot 208. Zudem gibt es seit fast 40 Jahren noch den Nissan Micra, der oft von Frauen gekauft wurde und den eine Fachjury Anfang der 90er-Jahre sogar zu Europas Autos des Jahres gekürt hat.

Seit dem Facelifting 2020 nur noch ein Motor im Programm

Das allerdings ist lange her, und die mehr oder weniger treue Käuferschar wurde nicht bei jedem Modellwechsel seit dem K11 richtig mitgenommen – was einerseits am Design lag, andererseits am technischen Unterbau. Auf den kugelrunden K12 und die langweilige Generation K13 folgte im Jahr 2017 jenes ziemlich genau vier Meter lange ­Modell K14, das im Herbst 2020 noch einen Feinschliff erhielt, um sich in den nächsten Jahren unter den bald aussterbenden Verbrennern behaupten zu können.

Nachdem andere Aggregate verschärften Abgasbestimmungen zum Opfer fielen, ist der 68 kW/92 PS starke Euro-6d-Dreizylinder-Benziner nun die einzige Motorisierung. Auch wenn die zuvor kritisierte Anfahrschwäche mit der jüngsten Version nicht völlig behoben ist, passt der 1,0-Liter-Benziner ganz gut zum Micra. Man hört zwar, dass es ein Dreizylinder ist, der kernige Sound stört jedoch nicht. Schaltet man durch das mitunter etwas hakelige Fünfganggetriebe hoch und gibt auf der Autobahn Vollgas, steht der Tacho jenseits der 180-km/h-Marke, offiziell liegt die Höchstgeschwindigkeit bei Tempo 178. Damit und auch dank seiner gefühlt stabilen Straßenlage ist der Micra viel mehr als ein reines Stadtauto.

Beruhigend: Nachdem zum Start der K14-Reihe Schwächen beim Ausweichtest bestanden, hat Nissan sein ESP so nachjustiert, dass auch radikale Lenkmanöver nicht im Straßengraben enden sollten. Im Innenraum gibt es gute und schlechte Plätze. Froh sein kann, wer am Steuer oder auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, denn dort fühlt man sich überhaupt nicht beengt, genießt zudem ein klassisches Cockpit mit ordentlichem Entertainmentsystem, zumindest in der getesteten hochwertigen Ausstattungsversion N-Design mit ­Android Auto, Apple CarPlay und Co. Hinten hingegen wäre der Spruch über die „billigen Plätze“ nicht falsch: Hat man die Türen, deren Griffe aus Designgründen nach oben verlegt sind, geöffnet, erwartet Mitfahrer wenig Beinfreiheit und eine eingeschränkte Aussicht. Hier – aber nur hier – stimmt noch das Klischee vom Verzicht in Kleinwagen.

AUTOGRAMM:

Fahrverhalten +++-

Wendig in der Stadt, erwachsen auf Landstraßen und Autobahn. Eher straff gefedert.

Leistung ++--

1,0-Liter-Dreizylinderbenziner, 68 kW (92 PS), Vmax: 178 km/h

Verbrauch +++-

Norm: 4,5 l/100 km (CO2: 103 g/km), Test: 5,5-6 l/100 km

Preis ++--

Basispreis: ab 13.690 Euro, Testwagen: 20.180 Euro