Auto

Der Mensch bestimmt das Ziel, die Technik den Weg

Bosch autonomes Fahren

Bosch autonomes Fahren

Foto: Bosch

Neue Assistenzsysteme verändern das Autofahren. Ihre Kosten werden in Zukunft weiter sinken. Schon heute ist viel möglich.

Kurz vor einer Kurve hängt sich das Auto ans vordere Fahrzeug, passt sich der Geschwindigkeit an, hält den Abstand und bleibt in der Spur. Als der Vordermann plötzlich bremst, stoppt der Wagen ab, ohne dass der Fahrer das Bremspedal berührt. Zukunftsmusik? Keineswegs. Was die C-Klasse auf dem Testgelände des Autobauers Daimler in Sindelfingen absolviert, könnte in einigen Jahren Standard werden. Und schon die im Frühjahr 2016 debütierende neue E-Klasse wird eine ganze Menge davon an Bord haben.

Neue Assistenzsysteme, eine weitreichende Vernetzung und viele neue Hightech-Extras sollen die Baureihe zum sichersten und fortschrittlichsten Auto der Welt machen: „Wir gehen einen weiteren deutlichen Schritt auf dem Weg zum autonomen und vernetzten Fahren,“ sagt Entwicklungsvorstand Thomas Weber und ist überzeugt, dass die Innovationen in Sachen Sicherheit, Stressentlastung und Komfort ein neues Niveau definieren. Diesen Anspruch erkennt man schon beim Einsteigen und Ausparken. Denn beides kann man künftig mit dem Handy steuern: Das Smartphone wird dank eines NFC-Chips auf Wunsch zum Türöffner und mit richtiger App zur Fernbedienung, mit der man neben dem Auto steht und mit dem Finger über das Display streicht, während die Limousine aus einer Lücke rangiert oder sich in eine Garage hineintastet.

Und das ist nicht die einzige autonome Fahrfunktion, die Mercedes dem neuen Modell mitgibt. Basierend auf den Assistenten der S-Klasse, machen die Schwaben den nächsten Schritt zum Autopiloten und erweitern den Aktionsradius von „Intelligent Drive“: Bis Tempo 200 regelt die Elektronik nicht nur den Abstand, sondern unterstützt den Fahrer so weit bei der Spurführung, dass der die Hände nur noch lose am Lenkrad lassen muss und so spürbar entlastet wird. Dabei braucht die E-Klasse nicht einmal Fahrbahn-Markierungen, sondern orientiert sich bis etwa 130 km/h allein am Vordermann und kann deshalb auch in Baustellen und unübersichtlichen Verkehrssituationen nahezu alleine fahren. Beim Ausweichen übernimmt das Auto künftig ebenfalls teilweise das Steuer: Registriert es einen drohenden, unvermeidbaren Unfall, muss der Fahrer nur noch einen Lenkimpuls geben und so seinen Willen äußern, dann berechnet der Wagen selbsttätig den optimalen Ausweichkurs und greift vehement ins Steuer, um Fußgänger oder andere Fahrzeuge zu umfahren.

Technik, die früher unbezahlbar war, kostet nur noch ein paar Hundert Euro

Sicherheit in einem anderen Sinn verspricht der intelligente Tempomat. Ähnlich wie bereits bei Ford oder BMW hält sich die Elektronik in der E-Klasse künftig alleine und automatisch ans Tempolimit. Gesteuert werden all diese Systeme von Sensoren, die beim Generationswechsel etwas mehr Reichweite und einen größeren Blickwinkel bekommen. Aber so gut die geschärften Kamera-, Radar- und Infrarotaugen der E-Klasse auch sind, reicht ihr Horizont allenfalls bis zur nächsten Kurve. Deshalb verschafft Mercedes der E-Klasse zusätzlichen Weitblick und baut zum ersten Mal in einem Großserienauto die Technik für eine Car-to-Car- bzw. Car-to-X-Kommunikation ein. Damit kann die Limousine über einen Mercedes-Server Verkehrs- und Straßeninformationen von anderen Fahrzeugen empfangen und so buchstäblich um die Ecke schauen.

Traditionell führen Oberklasse-Hersteller derartige Zusatzfunktionen als erste ein, denn ihre Kunden zahlen am meisten dafür. BMW stellte gerade seinen neuen 7er mit Stauassistent vor. Auch Audi stattet Modelle mit entsprechenden Systemen aus. Die Unternehmen verdienen bereits gut an Helferlein wie Abstandsregler oder Spurhalteassistent. „Parkassistenten kosten heute zwischen 30 und 50 Euro und werden für 150 bis 200 Euro verkauft“, sagt Wolfgang Bernhart von der Strategieberatung Roland Berger. „Ein Toter-Winkel-Assistent kostet 150 bis 200 Euro und wird zwischen 300 und 400 Euro verkauft. Ein Spurhalteassistent bewegt sich in ähnlicher Größenordnung.“ Die ersten Laserscanner-Sensoren haben bis zu 60.000 US-Dollar gekostet, inzwischen bewegen sie sich im niedrigen dreistelligen Euro-Bereich. Gleichzeitig schrumpft die Hardware: Das zentrale Fahrerassistenzgerät, das in der Entwicklung noch aus mehreren großen Rechnern bestand, ist inzwischen so groß wie ein iPad.