Auto

Audi bleibt Dieselmotoren treu

Für den neuen A6 Avant bieten die Ingolstädter gleich drei verschiedene Selbstzünder zwischen 204 und 286 PS an – Preise ab 51.650 Euro

Der Diesel stirbt von unten, heißt es. Tatsächlich nimmt die Zahl der Bau­reihen, die ausschließlich mit Benziner angeboten werden, vor allem in den unteren Segmenten zu. Doch es gibt Bereiche, da wird der Diesel auch langfristig dominieren. Wie etwa beim neuen Audi A6 Avant, der trotz eines ­neuen Benzinmotors vor allem als Flottenfahrzeug zum bislang noch kostengünstigeren Diesel verdammt ist. Einiges bleibt bei der Neuauflage beim Alten, wenngleich auch vieles neu ist.

Dazu gehört das Design, welches zwar einen gewissen Wiedererkennungswert bietet, aber dennoch deutliche Veränderungen zeigt. Diverse ­Sicken, Radhäuser mit Quattro-Backen, eine stark angeschrägte D-Säule oder der prominentere Kühlergrill lassen das 4,94 Meter lange Fahrzeug dynamischer wirken als bisher. LED-Leuchten mit einem unverkennbaren Nachtdesign oder die breite Chromspange am Heck sorgen zudem für einen Hauch Eleganz.

Den bietet auch der Innenraum, der wie eh und je mit einem gekonnten Spiel aus schicken Oberflächen, handwerklich guter Verarbeitung und viel Chromschmuck beeindruckt. Knöpfe und Schalter hat Audi allerdings deutlich ­reduziert und durch zwei Black ­Panels in der Mittelkonsole ersetzt. Noch digitaler wird das Cockpit mit dem Display-Kombiinstrument und dem farbigen Head-up-Display. Dann ­allerdings ist der Arbeitsplatz des Fahrers randvoll mit Grafiken, Zahlen und Informationen.

Auch die Konnektivitätsstandards sind auf neustem Stand. Sie helfen zum Beispiel dem Navi dabei, mithilfe aktueller Real-Time-Traffic-Informationen den Fahrer an Staus vorbeizulotsen. Ist dieser auffällig unaufmerksam, unterstützen ihn zudem diverse Assistenzsysteme ­dabei, Gefahren zu umgehen. Und mit dem neuen Connect-Key wird das Smartphone zum Autoschlüssel, mit dem sich der A6 öffnen und schließen lässt – ­allerdings nur mit Android-Geräten.

Gleich geblieben ist das Ladevolumen mit 565 bis 1680 Litern. Nicht ganz so erfreulich: Nach dem Umklappen der dreigeteilten Rückbanklehne steigt der Ladeboden in Richtung Vordersitze leicht auf.

Die Heckklappe öffnet serienmäßig elektrisch

Dafür halten die Ingolstädter an dem ausgekleideten Kofferraum, einem Schienen-Arretiersystem, der Kofferraumerweiterung per Fernentriegelung oder einer serienmäßig elek­trisch öffnenden Heckklappe fest.

65 Prozent der Avant-Kunden sind Flottenkunden. Für die bleibt der Diesel die erste Wahl. Entsprechend können Interessenten zwischen drei Dieselaggregaten – dem 40 TDI, 45 TDI Quattro sowie 50 TDI Quattro – und ab Oktober auch einen neuen Benziner, den 45 TFSI, wählen. Dass der neue Zweiliter-Otto mit 180 kW/245 PS eher Seltenheitswert haben dürfte, möchte man angesichts der guten Performance fast schon bedauern. Immerhin handelt es sich um den kultiviertesten Motor im Portfolio. In Kombination mit Allradantrieb und Siebengang-S-Tronic stürmt der Kombi in 6,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100; bei 250 km/h ist Schluss. Vor allem in Kombination mit der optionalen Allradlenkung zeigt diese Variante Leichtfüßigkeit und eine hohe Präzision in Kurven. Der Motor dreht relativ schnell hoch, um mit seinen 370 Newtonmeter Drehmoment die Insassen in die bequemen Sitze zu pressen. Der Verbrauch liegt knapp unterhalb der Zehnlitermarke.

Der V6-Diesel 50 TDI schiebt noch direkter nach vorne. Dank 210 kW/286 PS und 620 Newtonmetern endet der Sprint bereits nach 5,7 Sekunden. Wer sich vor allem als Linksspur-Souverän inszenieren will, wird den massiven Durchzug des Autos genießen. Auch flotte Kurvenfahrten sind dank Allradantrieb und der optionalen Allradlenkung möglich. Das ausgewogene Fahr-Niveau des Benziners erreicht der V6 ­jedoch nicht. Und sonderlich sparsam blieb er mit knapp unter neun Litern auf der Testrunde auch nicht.

Verbrauchstechnisch überzeugender ist der 40 TDI, ein Zweiliter-Vier­zylinder mit 150 kW/204 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment. Auch dieser Motor erlaubt flottes Vorankommen, der 100-km/h-Sprint dauert etwas über acht Sekunden, maximal sind 241 km/h drin. Laufruhig und dennoch spritzig fühlt sich der Basisdiesel an, der jeden Gasbefehl mit spontaner Kraftentfaltung quittiert und allein über die Fronträder nach vorne schiebt. Trotz des Zwölf-Volt-Mildhybrid-Systems lag der Verbrauch bei sechs Litern, 1,3 Liter über dem offiziellen Wert. Der 40 TDI wird das Gros der Bestellung ausmachen, denn mit 51.650 Euro markiert er den günstigsten Einstieg und liegt auch was die Unterhaltskosten angeht am unteren Ende.

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.