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Von Pferdestärken, Gallonen und Meilen

Kennen Sie jemanden, der über seinen Wagen sagt, er habe 100 kW? Ich auch nicht. Stattdessen benutzen wir Deutschen standhaft die Einheit Pferdestärke – die von James Watt, dem Erfinder der Dampfmaschine, als Verkaufsargument für dieselbe erfunden wurde. Nun ist zwar prinzipiell nichts gegen altehrwürdige Einheiten einzuwenden.

Der Meter, der Liter und das nach James benannte Watt sind auch nicht erst vorgestern vom Himmel gefallen. Allerdings haben sie einen Vorteil: Sie sind international anerkannt und meinen überall das Gleiche. Von den Pferdestärken kann man das nicht behaupten. Britische und amerikanische hp sind nicht dasselbe wie französische ch oder deutsche PS. Wobei das französische „Dampf-Pferd“ (cheval-vapeur) definitiv den Preis für den schönsten Namen abräumt.

Dass das Ganze höchst unübersichtlich ist und längst abgeschafft sein sollte, ist übrigens keine neue Erkenntnis. Schon vor 50 Jahren berichteten die Zeitungen, dass das Aus für das PS bevorsteht. Zehn Jahre später war es dann so weit: Seit 1978 ist die Pferdestärke aus dem offiziellen Sprachgebrauch verschwunden (acht Jahre später als in der DDR). Eigentlich sprechen wir schon seit 40 Jahren nicht mehr von 136 PS, wenn wir 100 kW meinen. Doch auch im Jahr 2018 sind die Galopper nicht unter der Haube wegzudenken.

Wir machen uns ja gern über die Amerikaner lustig mit ihren Fahrenheit-Graden, Gallonen und Meilen – Einheiten aus dem Übervorgestern, für niemanden spontan verständlich, der nicht mit ihnen aufgewachsen ist. Vielleicht sollten wir uns ein wenig zurückhalten.