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2016 lohnt sich auch der Blick zurück

Es gibt mehr als 300 Jubiläen im neuen Jahr zu feiern.Bei den Marken wie Marken wie Mercedes-Benz, Peugeot oder Opel ebenso wie bei Verkehrsrecht, Straßenbau und Spielzeugautos

Was haben der Benz-Patentmotorwagen, eine Kutschenfabrik im amerikanischen Coldwater und Coca-Cola gemeinsam? Alle drei legten vor 130 Jahren den Grundstein zu industriellen Imperien, die die ganze Welt bewegten. Die koffeinhaltige Limonade entwickelte sich zum erfolgreichsten Erfrischungsgetränk aller Zeiten und aus der vom amerikanischen Unternehmer William Durant gegründeten Kutschenfabrik ging 1908 der über Jahrzehnte global größte Autokonzern General Motors hervor. Die entscheidende Initialzündung für alle Motorwagen wiederum setzten 1886 die ersten Patentautos von Carl Benz und Gottlieb Daimler. Es gibt also viele runde Geburtstage zu feiern im Jahr 2016, dabei auch die Gründung großer Marken wie Mercedes-Benz (1926), BMW (1916) oder Rolls-Royce (1906).

Und natürlich die Jahrestage legendärer Modellreihen wie Morgan 4/4 (seit 1936 bis heute!), BMW 02-Serie (vor 50 Jahren vorgestellt) oder das Duell der Zwölfzylinderversionen von BMW 7er und Mercedes S-Klasse (seit 25 Jahren). Die Gedenktage umfassen auch Niederlagen wie den Untergang des Borgward-Imperiums vor 60 Jahren und das Ende von Talbot im Jahr 1986, jenes Herstellers, der beinahe die Muttermarke Peugeot mit in den Abgrund gezogen hätte. Schließlich verdienen kleine Meilensteine des Komforts eine kurze Würdigung, etwa der elektrische Zigarrenanzünder vor 110 Jahren oder die erste bezahlbare französische Cotal-Getriebe-Halbautomatik in Peugeot-Autos vor 80 Jahren. Nicht vergessen werden dürfen natürlich wichtige Sicherheitsgesetze wie die vor 40 Jahren in Deutschland eingeführte Gurtpflicht oder aber die alle Autofahrer belastende Kfz-Steuer, die das Deutsche Reich vor 110 Jahren erstmals nach sogenannten Steuer-PS berechnete.

1966 kämpften 80 Importmarkenin Deutschland um Marktanteile

Es ist also ein schillernd-buntes Potpourri an bedeutenden Jahrestagen, das Personen (100. Geburtstag von Sportwagenbauer Ferruccio Lamborghini, 80. Todestag von Automobilpionier Louis Chevrolet) ebenso berücksichtigt wie Facetten des Straßenbaus. Dieser wurde 1926 durch die Gründung des Autobahnbau-Vereins Hafraba (Hamburg–Frankfurt–Basel) entscheidend vorangetrieben. Im selben Jahr sorgten im Verkehrsgewühl von Berlin neue Ampeln mit der Lichtzeichenfolge Rot–Gelb–Grün für mehr Sicherheit. Genau drei Jahrzehnte später drohte bei Rotlichtverstößen erstmals ein Eintrag in die soeben vom Bundestag beschlossene, sogenannte Flensburger Verkehrssünderkartei.

Andererseits stand das Jahr 1956 für den Aufbruch in eine zukunftsgläubige Zeit mit finalen Vorbereitungen fürs Rennen in den Weltraum. Das Wirtschaftswunder im Westen erreichte einen ersten Höhepunkt, während Aufstände in Osteuropa Unzufriedenheit spiegelten. Dennoch hoben nun auch die sozialistischen Länder zur Massenmotorisierung ab. In der Sowjetunion ersetzte die Eigenentwicklung Moskwitsch 402 das zuvor gebaute Opel-Kadett-Derivat, in Polen überraschte der FSO Syrena mit modernem Design und bei Skoda in der Tschechoslowakei fiel die Entscheidung für die Entwicklung des neuen Volumenmodells 1000 MB mit Heckmotor und Heckantrieb. Erste Exporterfolge auf dem bundesdeutschen Markt erzielten dagegen der flammend-futuristische Citroën DS19, der Peugeot 403 in angesagter Pontonform und die kleine Renault Dauphine. Zusammen mit verschiedenen Fiat-Modellen, die in Heilbronn gebaut wurden, war dies der Auftakt für eine Produktoffensive, mit der die Importeure am Ende ein Drittel des Marktes eroberten.

Davon kündete zehn Jahre später die sensationelle Zahl von 80 Importmarken, die in Deutschland um Marktanteile kämpften, darunter auch viele heute untergegangene Hersteller wie Daimler und Humber aus Großbritannien, Innocenti und Iso aus Italien, Mikado aus Japan oder Panhard und Simca aus Frankreich. Das Schlusskapitel für den insolventen bayerischen Goggomobil-Bauer Glas schrieb 1966 der Erzrivale BMW, der die Glas-Modelle in Dingolfing kurze Zeit weiterproduzierte, dann aber in neuen Produktionseinrichtungen den ersten BMW 5er vom Band laufen ließ.

Sentimento grandioso per Italia,Große italienische Gefühle bewirkte vor 50 Jahren eine ganze Sportwagenschwadron im Zeichen der Trikolore. Allen voran das Traum-Trio aus Lamborghini Miura, Maserati Ghibli und Ferrari 330 GTC, aber auch De ­Tomaso Mangusta, Alfa Romeo Spider (Duetto) und Fiat 124 Spider, der heute mit Mazda-Hilfe sein Revival erlebt. Was damals noch keiner ahnte: Im kantigen, kompakten Limousinenkleid startete der Fiat 124 zu einer Karriere, die erst knapp 50 Jahre später enden sollte – in Russland. Denn dort lief der Italiener in fast 20 Millionen Einheiten als Lada vom Band.

1977 feierte man das Ende der Ölkrise mit einem Strauß sportlicher Modelle

Über solche Zahlen konnte Elliott Handler nur mitleidig lächeln. Der Mitbegründer des US-Spielwarengiganten Mattel entwickelte vor einem halben Jahrhundert die Idee aufregender Hot-Wheels-Modellautos als Konkurrenz zu den englischen Matchbox-Miniaturen. Zurück zu den Automobilen im Maßstab 1:1, die auch 1966 genügend faszinierende Vorbilder für Spielzeugmodelle lieferten. Etwa als amerikanischer Pony-Car-Herausforderer Chevrolet Camaro, englischer Kunststoff­racer Lotus Europa, schneller Porsche 911 S, kompakter Bayernbomber BMW 1600-02, Opel Rekord C im Coke-Bottle-Design oder exotischer Subaru Fronte mit Boxermotoroder als angeblich sicherstes Auto der Welt in Form des Volvo 144.

Zehn Jahre später hatte sich die Welt von der ersten Ölkrise erholt und feierte das mit einem großen Strauß sportlicher Modelle und einem bescheideneren Bouquet neuer Minis. ­Allen voran der Ford Fiesta. Gegen den designierten Megaseller von Ford war der vom Peugeot 104 abgeleitete Citroën LN nur ein „Spatz aus Paris“, wie auch die Werbung meinte. Kleine Stückzahlen, aber große Emotionen, dafür standen Ferrari 512 BB, Maserati Kyalami, Lotus Esprit, BMW 6er, Triumph TR7 – und der Porsche 911 mit feuerverzinkter Karosserie gegen die damals grassierende rostige Pest.

1986, der jüngste Jahrgang für ­H-Kennzeichen und den offiziellen Oldtimer-Status, bescherte den Autofans bezahlbare Frischluftstars von Opel (Kadett Cabrio) und Peugeot (205 Cabrio). Dazu technische Delikatessen wie Lancia Thema 8.32 mit Ferrari-Motor und den Wankelsportwagen Mazda RX-7, aber auch neue Meister der bürgerlichen Mitte. Allen voran den erstmals vom Wind geformten Audi 80 und den strömungsgünstigen Opel Omega als Rekord-Erben. VW würzte den Golf mit Syncro-Allradantrieb und 16-Ventiltechnik nach, während sich Volvo mit dem Klappscheinwerferkeil 480 erstmals am Vorderradantrieb versuchte. In der Oberklasse bahnte sich 1986 ein Duell an, wie es Stuttgart und München noch nie erlebt hatten, denn mit dem zweiten 7er lehrte BMW die S-Klasse das Fürchten. Mit verführerischen Formen und dem ersten V12 der Nachkriegszeit (ab 1987)legte BMW die Messlatte so hoch, dass auch Jaguars neue XJ­Limousine (XJ40) chancenlos blieb. Revanchieren konnte sich Mercedes fünf Jahre später, mit einem eigenen V12 im 600 SEL. Was die V12 heute eint: Die Mächtigen von einst sind erschwinglich geworden – zumindest in der Anschaffung.