Auto

Virtuelle Imagepflege für die Kunden von morgen

In Videospielen wollen Autohersteller Jugendlichen das Flair ihrer Marken nahebringen

Motorsport-Engagement ist gut für Bekanntheit und Image eines Autoherstellers. Es hat aber einen Haken: immense Kosten. Ihre dicksten Boliden stellen viele Marken daher mittlerweile bevorzugt virtuell vor. Das Videospiel Gran Turismo hat sich zum Schaulauf-Boulevard der fantastischen Sportwagen-Studien gemausert. Wir haben fünf besonders schnelle Modelle versammelt.

Nissan Concept 2020 Vision

Wie groß die Wirkung eines Videospielauftritts auf die Markenwahrnehmung ist, haben die Japaner schon früh gespürt. Wurde die Marke mit Fahrzeugen wie Almera und Primera hierzulande noch vor rund einem Jahrzehnt vor allem von Älteren und als eher bieder wahrgenommen, genoss sie unter jüngeren Videospielern bereits einen exzellent sportlichen Ruf. Das lag vor allem daran, dass man bei zahlreichen Games den hierzulande kaum bekannten Sportwagenklassiker Nissan Skyline GT-R wählen konnte – einen brachialen Renner auf Basis einer konventionellen Mittelklasselimousine und ideeller Vorgänger des Supersportwagens Nissan GT-R. Bei ihrem aktuellen Gran Turismo-Modell lassen sich die Japaner daher nicht lumpen: Dem aggressiv gestalteten 2+2-Sitzer sieht man sein Spitzentempo jenseits der 300 km/h förmlich an. Nebenbei gibt er einen Vorgeschmack auf den für 2018 erwarteten neuen GT-R. So schließt sich der Kreis auf gewisse Weise.

Alpine Vision Gran Turismo

Die imagestiftende Macht des Videospiels nutzt auch Renault – und zwar besonders vorausschauend. Der virtuelle Sportwagen soll eine Marke bekannt machen, die erst im kommenden Jahr wieder die automobile Bühne betreten soll: den französischen Dynamikspezialisten Alpine. Angeheizt werden sollen die Erwartungen schon mal mit spektakulär flachem Design, 460 PS starkem V8 und 320 km/h Spitzengeschwindigkeit. Das Serienmodell wird es jedoch wohl deutlich ziviler angehen lassen. Statt dem elektronisch designten Vorbild wird wohl eher die aus Blech gebaute und im Sommer vorgestellte Studie Alpine Celebration die Richtung des Comebacks vorgeben.

VW Golf GTI Roadster Vision

Den Sprung von Server und Festplatte auf die Straße hat bereits VWs Konsolenrenner geschafft. Für das traditionsreiche Tuningtreffen am Wörthersee haben die Wolfsburger im Jahr 2014 ihren 370 kW/503 PS starken Kompakten gleich auch aus Blech nachgebaut. Zu kaufen wird es die spektakuläre ­V6-Flunder aber nie geben. Genauso wenig wie seinen Nachfolger – den GTI Supersport Vision GT, der den brachialen Antrieb in diesem Frühjahr in einem etwas realistischer wirkenden Blechkleid verpackt hat.

Aston Martin DP-100 Vision Concept

Nicht nur die großen Automarken sind ­virtuell präsent. Gerade für kleine ­Hersteller bietet die Playstation-Plattform eine kostengünstige Werbe­möglichkeit. Der britische Autohersteller Aston Martin hat mit dem DP-100 Gran ­Tourismo einen flachen keil­förmigen Zweisitzer mit angriffslustiger Front und schmalen LED-Scheinwerfern ­geschaffen. Ob bei der Gestaltung ­Design­elemente künftiger Aston-Martin-­Modelle eingeflossen sind, ist nicht ­bekannt. Dafür gibt es aber ­bereits einige Details zum ­Motor: Angetrieben wird der DP-100 Gran Tourismo von einem Zwölfzylinder mit 596 kW/811 PS.

Mercedes AMG Vision Gran Turismo

Auch Premiumhersteller sind sich längst nicht mehr zu schade für den virtuellen Auftritt. Bereits vor zwei Jahren hat Mercedes mit einem silbrig glänzenden Coupé für Aufsehen gesorgt. Gestaltet wurde der Sportwagen vom kalifornischen Designstudio der Marke, das auch zahlreiche Zitate der Marken-Ikone SL einbaute. Ein US-Unternehmen war so begeistert von dem Fahrzeug, dass es den Bau einer Kleinserie avisierte. Bislang ist es allerdings bei Ankündigungen geblieben, sodass geneigte Fahrer weiterhin virtuell ihre Runden drehen müssen.