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Alfa Romeo Mito Junior: Einer nur für den ersten Blick

Weiße 17-Zoll-Felgen, ein Rallye-Streifen am sportlich geschürzten Heck und weiße Spiegelkappen – der Alfa Romeo Mito ist in der „Junior“-Version ein richtiger Flitzer. Doch das ist reine Show. Nur wer das weiß, hat eine Chance, mit dem Kleinwagen glücklich zu werden. Oberflächliche Schönheit ist hierzulande häufig nicht sehr angesehen. Make-up, Wonderbra und Extensions gelten als Zeichen stumpfen Geistes und flachen Charakters. Wer so denkt, lässt bitte die Hände vom Mito Junior. Wer hingegen ein bisschen Camouflage und etwas Aufspielerei als probate Würzmittel für den Alltag in der grauen Stadt ansieht, kann einen Blick riskieren.

Was der Käufer wissen muss

Der Mito ist 2008 in einer Zeit auf den Markt gekommen, als jugendliche Lifestyle-Kleinwagen der letzte Schrei waren. Mini und Fiat 500 waren Bestseller. Auch Alfa Romeo wollte mitmischen und rüschte den Kleinwagen Fiat Punto aufwendig zum Designerstück um. Rahmenlose Seitenfenster sorgten beim kleinen Dreitürer für Coupé-Flair, eine kleine Heckklappe für hohe Steifigkeit und die runden Rückleuchten für edlen Retrolook. Für das seitlich versetzte Nummernschild neben dem Wappen-Kühlergrill ließ man sich sogar extra einen Ausnahmegenehmigung erteilen. Die Junior-Version würzt die Grundzutaten noch einmal kräftig nach. Mit schwarzem Lack kontrastieren weiße Streifen auf der Heckklappe und die in der gleichen Farbe gehaltenen Felgen. Diese sind zudem mit 17 Zoll zwei Nummern größer als das Serienrad. Sport-Heckschürze, Stoffsitze mit Kontrastnaht, Sportlenkrad und abgedunkelte Scheiben dazu – fertig ist die Dynamiker-Optik, die man ansonsten teuer über die Optionsliste zusammenkaufen müsste. Der Kleinwagen sieht ohne Frage edel aus, teuer und auch stark und schnell. Was am Ende aber aus der verchromten ovalen Endrohrblende kommt, ist nur ein dünnes Hüsteln.

Gleiten und Gas geben

Zwei Motoren gibt es für den Junior, den wenig temperamentvollen 0,9-Liter-Zweizylinderturbobenziner (105 PS) und – in unserem Fall – seinen schlappen älteren Cousin, einen 1,4-Liter-Sauger mit 78 PS. Acht Ventile und ein maximales Drehmoment von 115 Nm haben noch nicht einmal in einem Kleinwagen eine echte Chance auf Puls- oder Fahrzeug-Beschleunigung. 13 Sekunden vergehen für den Spurt auf Tempo 100, maximal sind 165 km/h möglich.

Komfort und Sicherheit

Das knackige Fahrwerk, mit dem die stärkeren Mito-Varianten durchaus zu agilen Mini-Sportlern werden, ist im Fall des müden Basismotors leider komplett verschenkt. Dafür fällt der dadurch eingeschränkte Federungskomfort umso stärker ins Gewicht. Vor allem langsame Fahrten auf den löchrigen Straßen budgetschwacher Kommunen sind deshalb wirklich nichts für empfindliche Naturen. Die Liste an alltagspraktischen Unzulänglichkeiten ließe sich noch länger fortschreiben. Etwa mit dem kleinen Kofferraum und seiner hohen Ladekante. Oder den ungünstig angebrachten Türgriffen, die das Schließen der langen Portale vom Fahrersitz aus unnötig kraftaufwendig machen. Oder, ebenfalls ein Nebeneffekt der großen Pforten: die viel zu weit hinten angebrachten Gurthalter, die auch Mittdreißigern beim Anschnallen fast die Schultergelenke aus den Pfannen springen lassen. Gar nicht zu reden vom betagten Infotainment-System und dem Fehlen moderner Assistenten.

Preis und Leistung

Punkteten frühere Modellen auch mit Technik und Fahrleistungen, verlässt sich der Mito Junior heute nur noch auf sein flottes Außendesign. Für die 1,4-Liter-Variante (Testverbrauch: 7,1 Liter) werden 16.600 Euro aufgerufen. Da hat man bei der Konkurrenz die vollere Auswahl.