Wie ein Evoque für Praktiker

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Thomas Geiger

Der Discovery Sport, seit Langem erster komplett neuer Land Rover, beerbt zu Preisen ab 32.250 Euro den Freelander

Der Evoque ist der Held der stilbewussten Schickeria. Doch so tapfer sich das Designer-SUV in freier Wildbahn oder an der Familienfront schlagen würde, will der Schönling nicht so recht in den Alltag zwischen Pampa und Pampers passen. Macht ja nichts, sagen die Briten und stellen ihm den Discovery Sport zur Seite. Nach drei Range-Rover-Modellen ist er der erste komplett neue Land Rover seit mehr als zehn Jahren und wird Ende Februar zu Preisen ab 32.250 Euro den Freelander beerben.

Zwar ist die Front von Evoque und Discovery Sport verwechselbar und obendrein teilen sich beide Modelle die gleiche Unterwäsche. Doch darüber tragen sie ein ganz unterschiedliches Dress: Wo der Evoque im engen Maßanzug flanieren geht, kommt der Discovery Sport in Cargo-Hosen daher. Die sehen sehr viel lässiger aus und bieten jede Menge Platz – nicht umsonst überragt das neue Modell den Freelander in der Länge um zehn und Zentimeter und hat acht Zentimeter mehr Radstand.

Obwohl bei knapp 4,60 Metern noch mit einer Achse im Segment der kompakten Geländewagen, bietet der Discovery Sport anders als die Konkurrenten BMW X3 oder Audi Q5 gegen Aufpreis (1300 Euro) eine dritte Sitzbank. Selbst wenn man die nicht bestellt, stempelt ihn das neue Format zum Praktiker: Der Kofferraum fasst stattliche 981 bis 1698 Liter und vor allem lässt sich die Rückbank um 16 Zentimeter verschieben. Dann sitzt man in der zweiten Reihe besser als bei manchem Konkurrenten in der ersten.

Die technische Ausstattung ist mit kompetentem Rangierhelfer, automatischer Notbremsfunktion oder dem ersten Fußgängerairbag im Segment auf der Höhe der Zeit – dagegen die Motoren allenfalls Durchschnitt. Der Discovery Sport bedient sich nicht aus der neuen Triebwerksfamilie, die für den Jaguar XE entwickelt wurde, sondern startet mit Aggregaten aus dem Evoque. Es gibt die Wahl zwischen einem 2,2 Liter großen Diesel mit 150 oder 190 PS und einem Turbo-Benziner, der aus 2,0 Litern Hubraum 240 PS schöpft.

Durch viel Aluminium und Magnesium wurde das Gewicht gedrückt

Dabei mangelt es den jeweils stärkeren Aggregaten nicht an Elan, insbesondere der Diesel ist angenehm leise und passt mit seinem bulligen Drehmoment von 420 Nm gut zum Charakter des Dauerläufers. Aber auch wenn Land Rover viel Aluminium und Magnesium eingesetzt und so das Gewicht gedrückt hat, wiegt der Discovery Sport noch immer 1,8 Tonnen und wird seinem Beinamen nicht wirklich gerecht. Selbst der stärkste Motor braucht 8,2 Sekunden von null auf 100 und stößt bei 200 km/h an seine Grenzen.

Doch im Geländewagen sitzen ja eher gemütliche Gesellen. Was bleibt an Kritik, ist der Verbrauch: Selbst wenn man es gelassen angeht, stehen für den 190 PS-Motor schnell neun oder zehn Liter Diesel auf dem Display, der Benziner gönnt sich noch zwei, drei Liter mehr. Die Normwerte sind nur ein schwacher Trost: 8,0 Liter für den Si4-Benziner und 6,3 für den SD4 jeweils mit Automatik – das kann die Konkurrenz besser. Immerhin reichen die Briten im Herbst einen 150 PS-Diesel mit Frontantrieb nach, der auf politisch korrekte 4,5 Liter kommt.

Weil der Discovery Sport größer und besser ausgestattet ist als der Freelander, wird er auch deutlich teurer und startet bei 34.400 Euro für den 150 PS-Diesel, 41.000 Euro für den Selbstzünder mit 190 PS und 43.500 Euro für den starken Benziner. Immerhin sinkt der Einstiegspreis mit dem Fronttriebler im Sommer auf 32.250 Euro.